SonntagsBlog „Des Pudels Kern“, 28. Juni 2026
Liebe ZenhoflerInnen,
der Sommer hat mit Hitzerekorden Einzug gehalten. Wir bleiben im Schatten sitzen und erwarten freudig die abkühlende Luft der Nacht. Mittendrin sitzen wir und freuen uns über eine Erfrischung in Form eines kühlenden Getränks oder einer kalten Dusche.

Wir erfahren das Gegenteil von eisiger Kälte. Ob nun die eisige Kälte oder die Hitze verhalten tun wir uns fast gleich. Statt ein kühlendes Getränk ein heißer Tee. Statt Schatten suchen wir bei eisiger Kälte das Warme und erwarten ein paar Sonnenstrahlen am Tag, die ein bisschen Wärme versprechen.
Etwas Anderes!
Irgendwie sind wir viel damit beschäftigt auf etwas Anderes zu hoffen, eben etwas Anderes als wir jetzt haben. Doch, wir wissen alle, dass es dieses Andere gar nicht gibt.
Und deutlich wird dies im Fall des Sterbens. Da gibt es nichts Anderes. Es ist genau dieser Atemzug der Letzte und wissen wir es? Es ist genau dieser Herzschlag der Letzte und wissen wir es? Es ist genau diese Hand, die letzte, die ich halte. Es ist genau dieser Blick meiner Augen, das, was ich sehe, bevor sie sich für immer schließen. Dies ist genau das, was ich zuletzt höre. Wir erwarten nichts mehr. Wir warten nicht mehr auf etwas Anderes. Wir sind mittendrin angekommen. Wir sind auf den Grund dieser Sache, die geschieht, angekommen. Wir erkennen des Pudels Kern.
Wir wissen nichts von ihm. Wir ahnen vielleicht etwas. Wir haben ein Gefühl, eine Empfindung zu diesem Kern, aber wirklich wissen tun wir nichts von ihm.

Das Wissen wollen
Ein Meteorologe erklärt uns die Zusammenhänge zwischen den Wetterfronten und da er dies studiert hat, glauben wir ihm. Vor ein paar Jahren fuhren Manfred und ich von Coburg nach Rödental. Der Himmel war schwarz und ich sagte: Gleich geht´s los. Manfred sagte: Nein, der Wetterbericht sagt, dass es kein Regen in Rödental gäbe. Es ziehe vorbei.
Und kaum hatte er es gesagt, kamen die ersten dicken Tropfen vom Himmel und ein Wolkenbruch ergoss sich. Wann vertrauen wir noch unserem Gefühl? Wann wenden wir das andere Wissen in uns an, das uns an des Pudels Kern erinnert? Wie ist es möglich wieder Vertrauen zu gewinnen zu diesem Kern der Sache? Dem Kern, den jeder in sich selbst trägt, mit dem er geboren wird? Was tun wir, um diesem Vertrauen neu zu begegnen? Es neu zu erfahren, dass es es gibt? Was können wir tun? Oder wollen wir es gar nicht mehr? Vertrauen wir dem wissenschaftlichen Wissen, ohne unseren eigenen Kern vertrauensvoll in die Arme zu schließen?
Ist das wissenschaftliche Wissen, das, was uns beim letzten Atemzug zeigt, wo wir langgehen sollten, um in vollständiger Friedlichkeit gehen zu können? Ist dieses Wissen wollen, des Pudels Kern oder wo liegt der Hund wirklich begraben?
Das Wesen Mensch
Ein Mensch ist ein Wesen, das wie viele tausend andere Wesen dieser Welt geboren wird und verstirbt. Es ist ein Wesen, das ißt und trinkt, das sich vermehrt, das nicht allein leben kann. Dieses Wesen Mensch und seine ihm innewohnende Menschlichkeit, sein Mensch-Sein, was ist dies für einen jeden von uns?
Wenn wir auf unserem Kissen sitzen und 40 Minuten alles still wird, die Bewegungen sterben und nur die beobachtbar sind, die uns auffallen, wo wir unsere Aufmerksamkeit hinlenken, was ist da unser menschlich-sein? Wie kann es gelingen, den Kern zu erblicken, der uns zu dem macht, was wir gerade hier an diesem Ort und in diesem Moment sind? Des Pudels Kern, die Verwandlung, der Moment des ganzen Hier-Seins, wie ist es möglich, sich mit all seinem Wissen in den Hintergrund zu stellen und nur zuzuschauen, was da wirklich ist?

Die Veränderung bemerken
Zazen ist eine Technik, die hilft, des Pudels Kern näher zu kommen, eine Veränderung zu bemerken, ein Gefühl, eine Emotion wirklich hautnah zu erfahren und der Veränderung zuzuschauen, ohne davor wegzulaufen. So wie in Goethes Faust. Faust schaut zu wie Mephisto sich aus dem Hund herausschält. Der erkenntnissuchende wissenschaftliche Heinrich Faust hatte einen Kontrakt mit dem Teufel gemacht, um die Frage nach dem Sinn des Seins zu finden. Doch es gelingt nicht.
Was macht stattdessen Zazen? Wenn wir versuchen etwas Bestimmtes sein zu wollen oder etwas Erwarten, so machen wir oft die Erfahrung, dass es uns nicht gelingt oder wir uns irre ins Zeug legen müssen. Erst, wenn wir das Wissen wollen einstellen, wenn wir das Erwarten und Warten auf … beenden, erfahren wir oft, dass alles wie von Selbst geht. Wir unserem Sein nahe rücken.
Zazen ist eine Praxis, die uns an unseren Kern heranführt. Den Kern, der in uns versteckt schlummert und der jederzeit bereit ist, sich zu zeigen.

Das tiefste GeHEIMnis
Doch, dies geht nur, wenn wir selbst unser tiefstes Geheimnis, unser Herzleiden vor ihm offenlegen. Zazen macht dies möglich. Viele Jahre Praxis bringen dich immer näher an dieses eigenstes Herzleid heran. Traust du dich, es zu bejahen, öffnet sich eine Tür, die dir den Kern des Eigensten zu Füssen legt. Du kehrst zurück, zu dem, was du schon immer warst, bist und sein wirst.
Jeden Schmerz, den wir erlitten, jeden Ärger, der uns streifte, jede Freude, die wir erfuhren, hier an dieser Tür kannst du entscheiden, zu sehen wie sich des Pudels Kern vor deinen Augen zeigt. Vielleicht ist dies nicht immer schön, nicht erwartet, nicht so wie du es dir jemals vorgestellt hast, doch es ist hier und nur darum geht es.

Neu Hinschauen!
Zazen hilft uns immer wieder neu hier zu sein und genau hinzuschauen, was jetzt hier wirklich ist. Und in unserer heutigen Zeit, wo die mediale Welt uns oft fern hält von der Veränderung zu des Pudels Kern, ist die Meditation Zazen genau die Antwort, die helfen kann, selbstbestimmt und vertrauensvoll durch das eigene Leben zu gehen.
Wir nehmen nicht mehr andere Wahrheiten für wahr, sondern wir gehen selbst zu des Pudels Kern. Wir suchen nicht bei anderen Antworten, sondern wir entdecken sie in unserem eigenen Kern selbst. Wir warten und erwarten nicht mehr, dass andere sich so oder so verhalten, sondern wir verhalten/halten uns selbst.
Das Wesen all-ein
Und welcher Ort auf dieser Welt ist dabei der Wichtigste? Ein jedes Wesen erst einmal ganz für sich all-ein. Und, wenn ich Wesen bemerke, die gemeinsam jeweils ihren eigensten Kern erfahren und kennen lernen wollen, wo sollte ich besser aufgehoben sein? Denn dieser Kern, ist der Kern, der uns alle nicht nur verbindet, sondern es ist der Kern, der uns alle hervorbringt und jederzeit mit liebevollen Händen wiederaufnimmt. Und das Einzige, was der Kern sich wünscht, wenn er sich überhaupt etwas wünscht, dann sicherlich, dass er mittun darf im alltäglichen Leben, denn dann ist er lebendig.

Und wer möchte kein lebendiges Leben führen?
Und so wünsche ich uns allen, den Kern lebendig sein zu lassen. Den Kern, den wir bereits immer schon leben, der uns unsichtbar begleitet. Und wird es für uns sichtbar, öffnet sich Welt.
Danke und ich freue mich, mit Euch allen während unseres Sommerfestes mit Biodanza, diesen Kern sichtbar lebendig zu leben.
Ellen Daoren
