Bestimmung

SonntagsBlog „Bestimmung“, 5. Juli 2026

Liebe ZenhoflerInnen,

der Juli zeigt sich sommerlich, auch wenn des nachts die Temperaturen stark sinken. Gestern feierten wir ein schönes Sommerfest mit Biodanza. Die Stimmen schwiegen beim Tanzen und doch bewegten sich Stimmen im Raum.

Sommerfest mit Biodanza 2026

Stimmungen

Nicht nur die Stimme der Sänger der gespielten Musik, sondern auch die Stimmungen der Teilnehmenden tanzte im Raum. Eine anfängliche Befangenheit wandelte sich in spontane offene weite Stimmungen, die den Raum mit Bewegung und Freiheit erfüllten. Vor allem die Kinder trugen am Ende noch einmal deutlich dazu bei. Sie zeigten, dass sie über ihren Schatten gesprungen sind, doch noch den Raum betraten und die Abschlussrunde zu einem Highlight machten, der uns Erwachsenen zeigte, wie schnell, offenherzig und frei eine befangene Situation sich selbst befreien kann, indem die Kinder einfach hineinsprangen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Wir als die scheinbar schlauen Erwachsenen bedienen uns häufig vorgefertigten Bestimmungen, die nichts weiter sind als eine Festlegung. Wir bestimmen etwas, wie etwas zu sein hat. Wir sehen etwas und legen fest, was das bedeutet. Doch in Wirklichkeit wissen wir es nicht, wenn wir ehrlich zu uns selbst sind. Bestimmungen legen uns fest, führen uns einem Zweck zu, den es manches Mal gar nicht gibt, sondern einfach erdacht und gedacht wird, ohne dass es überhaupt einen wirklichen Hinweis auf einen Zweck oder eine Bestimmung gibt.

Wie können wir erfahren und begreifen, wie ein jedes Ding und wir selbst, genau so an einem Ort wirklich gerade und klar sind?

Selbsterforschung

Wenn wir uns selbst zu beobachten und zu erforschen beginnen, wie wir es im Zendo in der Übung von Zazen tun, dann können wir erfahren, wie wir uns selbst bestimmen, festlegen, festzurren, uns einem Daseinszweck zuführen, einem Lebensinhalt, einer Existenzgrundlage, ohne dass wir wirklich erforscht haben, ob dies tat-sächlich so ist.

Es ist jederzeit möglich sich zu hinterfragen: Stimmt das jetzt? Ist das, was ich da bestimme jetzt wirklich das, was da getan werden muss oder gibt es eine alternative Denkmöglichkeit? Ist das, was ich da sehe und betitle wirklich so?

Es kommt nicht so sehr auf das Ende unserer Überlegungen an, sondern auf den Weg dorthin. Ist auf diesem Weg, den ein jeder von uns geht, die Möglichkeit gegeben, dass wir dieser ganz tief in uns allen angelegte Stimme zuhören, sie einfach sprechen lassen? Die uns oft ruft. Hören wir sie?

Lassen wir dieser feinen tiefen Stimme in uns freien Raum, Bewegungsfreiheit wie im Tanz in allen Richtungen? Oder legen wir sie fest als eine Bestimmung? Eine Maßgabe, die mich am Leben erhält, weil ich sonst meinen Lebenssinn verliere?

Neuland betreten

Im freien Tanz, in der freien Meditation Zazen können wir, wenn wir uns darauf einlassen, es geschehen lassen, dass wir die Bestimmungen, die wir mit uns tragen, aufweichen dürfen, dass sie einmal zurücktreten dürfen, dann entdecken wir Neuland. Neuland von uns selbst, diesem seltsamen Wesen, dass wir immer wieder mit unseren Bestimmungen bestimmen, ohne ihm selbst zuzuhören, zuzusehen und forschend beobachtend zu erfahren.

Warum vertrauen wir uns selbst nicht? Was hindert uns daran, unsere Bestimmungen fallen zu lassen und neu zu schauen, was der Raum uns anbietet? Wo wir einfach zugreifen können, ohne dass der Raum sofort –au-a- schreit?

Wir sind immer schon viel mehr als… und wir sind immer schon dieses Ganze, das, was völlig frei und offen hier ist und uns einlädt Moment für Moment dieses Unversehrte zu erfahren.

Wir können im Vertrauen auf diesen freien beweglichen offenen weiten Raum des Unverletzten Augenblick für Augenblick unsere Stimmen kennenlernen und uns selbst erweitern bis wir mit diesem Raum deckungsgleich sind.

Ein unbestimmter offener weiter Raum?

Zazen ist

Zazen ist ein Handwerkszeug dies für sich sichtbar zu machen. Zazen ist nicht einfach nur irgendein Mittel für… Zazen ist Zazen, denn es ist einfach Moment für Moment bereits diese vollständige Unberührtheit. Zazen ist einfach Sitzen, Atmen und Zählen, ohne dass wir einer Bestimmung folgen, denn diese beschränkt uns. Wahres Zazen bewegt unbeschränkt und das Einzige, was wir Moment für Moment tun, ist diesem Unbeschränkten zuzuschauen und mitzugehen, ohne bestimmen zu wollen, wo es hingeht.

Wollen wir nur einen kleinen Augenblick bestimmen, wo es langgeht, ist das einfache Sitzen, Zazen vorbeigelaufen und wir verlieren es aus den Augen. Nur wenn wir ganz still, unbewegt sitzen, nichts wollen, ganz klar einfach nur genau hier sind und zuschauen, was da wirklich ist, begegnen wir uns selbst – unserer Bestimmung, die die Bestimmung ohne Stimme ist, denn die wäre nicht allumfassend. Und diese Augenblicke des klaren Blicks können wir in die Situationen unseres täglichen Lebens mitnehmen. Dann entsteht eine neue Stimme in uns. Eine Stimme, die keine Grenzen kennt, denn sie ist Situation für Situation frei und beweglich.

So wünsche ich uns jetzt allen diese Freude an den befreiten Situationen unseres Lebens, die wir auch beim Tanzen erleben durften. Wir ergreifen mit allem, was uns zur Verfügung steht das Allumfassende, das uns Zazen offen darbietet, Augenblick für Augenblick und wir sind da.

Herzlich

Ellen Daoren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website ist durch reCAPTCHA geschützt und es gelten die Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen von Google

Nach oben scrollen