Sehen wie die Dinge wirklich sind

Sonntags-Blog „Sehen wie die Dinge wirklich sind“, 24. September 2022

Liebe ZenhoflerInnen,

wenn wir hinausschauen in den Himmel und es regnet oder die Sonne scheint, dann denken und meinen wir, das wäre so. Doch stellen wir uns einmal die Frage: Ist das, was wir Sonne oder Regen nennen wirklich das, was wir davon denken? Ist es überflüssig sich derartige Fragen zu stellen? Ist es Blödsinn, weil doch ganz klar Regen Regen ist und Sonnenschein Sonnenschein?

Woher weiß der Regen, dass da ein Haus steht mit Fenstern und regnet nicht hinein? Wieso weiß die Blume am Fenster, dass zwischen ihr und dem Regen eine Fensterscheibe ist?

Wie findet jedoch Sehen wie die Dinge wirklich sind, statt?

„Der Psychologe Jerome Brunner […] machte […] deutlich, daß wir nicht nur etwas Erwartetes leichter wahrnehmen als anderes, sondern auch besondere Schwierigkeiten haben, etwas wahrzunehmen, worauf wir nicht eingestellt sind. “ (Hayward Jeremy 1996, S. 18)

Jerome Brunner sagt also, dass wir nur das sehen, was wir bereits kennen, dem wir einen Namen geben können. Doch wie können wir etwas sehen lernen, was zwar da ist, aber wir nicht kennen, nicht erwarten? Als die ersten Kolonialisten fremde Länder berührten, begegneten ihn viele Dinge, die sie nicht kannten. Aber was taten sie? Sie sahen dies und wollten es in ihre bekannte Welt überführen. Das Fremde nicht zulassen. Zurück zum Eigenen. Was passiert, wenn wir dies immer wieder tun?

Dr. Joe Dispenza, Du bist das Placebo, beschreibt über die Epigenetik genau diesen Prozess. Lassen wir Fremdes, Ungewohntes, vielleicht sogar im ersten Moment Abstoßendes nicht zu, begrenzen wir uns in unseren Potenzialen. Dispenza beschreibt dies wirklich in einer wunderbar einfachen Sprache mit ganz vielen schönen Beispielen aus Forschungsergebnissen von der ganzen Welt.

Dispenza beschreibt aus der Perspektive dieser Forschung der Epigenetik im Grunde nichts Anderes als das, was wir mit der Zazen-Praxis tun. Wir verändern unsere Epigenetik. Wir verändern die chemisch biologischen Prozesse in den Zellen und Genabschnitten. Dadurch verändern wir uns und unser Leben.

Wir erweitern unser Feld des Sehens, des Erkennens, des Denkens, des Fühlens, des Miteinander-Seins, des Wissens von Körper-Geist-Seele. Mitgefühl mit allen Wesen ist nur möglich, wenn wir genau diese Erweiterung geschehen lassen, denn die Welt der Wesen ist grenzenlos. Je größer unser eigener Raum wird, je mehr erkennen, bemerken, sehen wir diese grenzenlose Welt der Wesen.

Shunryu Suzuki stand einmal in einem Sesshin gefühlsmäßig hinter mir und sagte: Dafür lohnt es sich. Ich sagte und sage JA dazu. Es ist schön, die Weite des eigenen Körpers und Geistes bemerken zu lernen, Begrenzungen, Be-wert-ungen zu verändern, zu weiten und eine Nähe zu sich und der ganzen Menschheit zu entwickeln, die genau dies tut: Die Dinge so zu sehen wie sie sind.

Dispenza sagt an einer Stelle in seinem Buch, dass dies das Schwerste war, was er in seinem Leben getan hat, dies zu entdecken. Auch bei ihm ging der Weg über das Beobachten und vor allem Bemerken.

Also lasst uns unser Beobachtungs-und Bemerkensfeld er-weit-ern, denn dass erweitert uns und somit unseren Zugang zur ganzen Welt.

Ich möchte hier noch einmal an die Gebete von Blanche Hartmann erinnern. Auch sie bittet zu lernen, die Dinge so zu sehen wie sie wirklich sind und genau die Dinge zu entwirren.

Blanche Hartmann

Morgens:

An diesem Morgen, beim Aufwachen,

Gelobe ich mit allen Wesen,

die Dinge so zu sehen, wie sie sind

und die Welt nicht aufzugeben.

https://edition-steinrich.de/buch/unbegrenzte-lebendigkeit/

Abends:

An diesem Abend, beim Einschlafen,

Gelobe ich mit allen Wesen,

Alle Dinge zu beruhigen

und der Verwirrung ein Ende zu bereiten.

Uns allen eine gute Zeit mit Zazen

und seiner Anwendung im Alltag.

https://edition-steinrich.de/buch/unbegrenzte-lebendigkeit/

Uns allen eine gute Zeit mit Zazen

und seiner Anwendung im Alltag.

Gassho Ellen Daoren (die, die den Weg geht)

Literaturverzeichnis

Hayward Jeremy (1996): Die Erforschung der Innenwelten. Neue Wege zum wissenschaftlichen Verständnis von Wahrnehmung, Erkennen und Bewußtsein. 1. Auflage. Frankfurt a.M.: Insel-Verl.

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