Die Schönheit des Augenblicks

Die Schönheit des Augenblicks, 7.November 2021

In den letzten vier Tagen, in denen Manfred in der Schwitzhütte war, habe ich für mich ein kleines Sesshin abgehalten.

Ich hatte das unbedingte Gefühl, dass ich mich reinigen, dass ich mich klären, dass ich wieder genauer hinschauen üben möchte.

So begann am Donnerstagmorgen um 8 Uhr mein kleines eigenes Sesshin, eine Zeit intensiver Auseinandersetzung mit all den Wirren und Hindernissen in diesem Selbst, das wir Ich nennen.

Warum sollten wir Menschen solche Zeiten der Stille, des Rückzugs, der eigentlich ein InZug ist, tun?

Für mich ergab sich wieder einmal deutlich, dass der Körper und die Seele sich im Zazen reinigt. Die vielen „Wenns“, die vielen „Ich will nicht“, die vielen „warum sollte ich so lange still sitzen“, die Vielen, Vielen Abers sich anzuschauen und zu entdecken, dass sie im Augenblick dahinscheiden, wenn uns klar ist, dass dieser Augenblick der Einzige ist, den wirklich haben, der wir wirklich sind.

Die Absicht sich aus eigenen Stücken vier Stunden auf das Kissen zu setzen, ist eine Absicht. Es ist ein Wollen, das kein Zwang ist, sondern ein Wollen aus dem Herzen. Wenn wir in Urlaub fahren, fahren wir auch mit Absicht. Wir nehmen stundenlanges Warten an Flughäfen, lange Autofahrten, Staus und Hindernisse auf uns. Aber wir tun es dennoch. Wir hoffen auf die erwartete Erlösung. Kein Stress. Kein Müssen. Kein Angepasst sein an den Alltag. Wir erhoffen uns die Keins.

Doch im Gegensatz zu einer Urlaubsreise ist die Reise der Zazen-Praxis eine Reise in das Unbekannte, das, was wir genau nicht wollen. Genau dabei begegnen wir bemerkenswerter Weise genau diesen Keins. Denn plötzlich sitzen wir da und wissen einfach, dass es nichts zu tun gibt. Kein Kochen. Kein Einkaufen. Kein Denken. Kein Arbeiten müssen. Die Keins stehen auf. Sind wir ganz bewegungslos, stellen sie sich nacheinander ein und wir tun nichts Anderes als diese Keins zu entdecken. Diese Entdeckungsreise endet im Verstehen, dass wir in unserem Alltag diesen Keins auch beständig begegnen, denn im Augenblick des Kochens gilt ein Kein für Anderes. Im Augenblick des Spielens mit den Kindern gilt das Kein für ein anderes Tun. Es ist ein stetes Antreffen des Augenblicks ohne Kein.

In diesem Sinne sich selbst einmal eine Inzeit als Auszeit in einem kleinen eigenen Sesshin zu gönnen, ist geschenkte Lebenszeit.

Ihr könnt mich übrigens immer darauf ansprechen. Ich begleite euch gerne in einer solchen Zeit für Euch. Wie Ihr wisst, ist hier ein schönes Gästezimmer, das Euch Heimat schenkt in dieser Selbst-Zeit, egal wie lange es eure Absicht ist.

Am Ende meiner Reinigungs-Tage kam mir ein Gedicht, dessen erste Zeile mich beim Aufwachen begrüßte.

Die Schönheit
des Augenblicks
kostet
Erklärungen,
Vorstellungen,
Erwartungen,
Erinnerungen.

Die Schönheit
des Augenblicks
ergibt sich
im Erkennen
der eigenen Schönheit,
die immer gegenwärtig ist.

Die Schönheit
des Augenblicks
bis du
im Vollkommen sein
eines Hier.

Dabei spielt Tod oder Leben
keine Rolle.
Die Schönheit
des Augenblicks
allgegenwärtig.

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