Zazen verpflanzen

SonntagsBlog „Zazen Verpflanzen“, 14. Juni 2026

Liebe ZenhoflerInnen,

der Sommer lässt in diesem Jahr auf sich warten, aber die Pflanzenwelt ist dennoch in voller Blüte und auch wenn so mancher Rosenzweig in meinem Garten traurig zu Boden strebt, blüht er.

Pflanzen verpflanzen

Die Pflanzen zu beobachten, ist immer wieder ein überraschendes Erleben. Gerade noch blühte an dieser Stelle eine Tulpe und kaum ist sie abgeblüht, blüht dort der rote Mohn. Gerade noch stand im Hochbeet die Zuckerschote und in einem neuen Augenblick wächst der Salat.

An derselben Stelle so viel Leben. Pflanzen zeigen uns nicht nur in ihrem Aussehen und ihrem Erscheinen ihre Vielfalt und Andersartigkeit, nein, sie zeigen eben dieses Andere, dieses Unbenannte auch jeden Augenblick. An einer einzigen Stelle wächst innerhalb eines Jahres mehrmals etwas Anderes. Wir halten das vorherige oftmals an einer Stelle, aber manchmal sucht es sich einfach seinen Platz. Lassen wir es zu? Das Andere? Das Neue?

Vor drei Jahren pflanzte ich unterm Apfelbaum einen Fingerhut. Er verschwand und tauchte im letzten Jahr vor der Garage auf und in diesem Jahr bei der Tigerlilie. Er wandert.

Neu pflanzen – Augenblick für Augenblick – eine schwere Kunst?

Und so fragte ich mich, was wir von Pflanzen lernen können? Sie verpflanzen sich öfter als wir denken, glaube ich. Sie schauen einfach Augenblick für Augenblick auf dieses große Feld und fügen sich einfach ein, da, wo es gerade passend ist. Sie bleiben nicht dort, wo jemand denkt, dass sie hingehören, sondern sie wandern weiter, sie verpflanzen sich neu.

Ist das nicht Zazen?

Sich immer wieder neu verpflanzen und hinschauen, wo und wie wir wachsen und was wir für eine Ernte einbringen? Wenn wir Atemzug für Atemzug hinschauen, können wir da nicht zuschauen, wie er wächst? Mal im Brustraum, mal im Bauchraum, mal im unteren Rücken und mal ganz fein im Herzraum und auch im Zwerchfell. Können wir nicht spüren lernen, was für einen Augenblick dieser Atemzug in uns hinterlässt? Vielleicht einfach dieses Gefühl oder mehr ein Gespür von tiefer Zufriedenheit über genau diesen einen Moment? Vielleicht ein feines Spüren von „das ist alles“, mehr braucht es nicht? Vielleicht ein zartes Nachempfinden von „das Schönste“, was es gibt? Vielleicht ein….

Zazen – unsere eigenste Pflanzenwelt?

Zazen ist wie eine Pflanze.

Wir pflanzen sie in unser Leben ein. Wir beobachten ihr Werden und Sein in unserem Leben. Wir betrachten Zazen als blühende Blume und welkender Strauch. Der Atem erhebt sich und wir erblühen und der Atem erstirbt und wir welken.

Zazen ist wie ein Pflanze. Wir können dieser Pflanze in unserem Leben einen Namen geben und sie lieben lernen oder wir lehnen sie ab und verweisen sie auf einen anderen Platz. Doch, wenn wir Zazen wie eine Pflanze in unserem eigenen Garten hegen und pflegen, mit der Absicht, sie zu erhalten, mit der Freude beim Zuschauen ihres Werdens, mit dem Gefühl bei der Ernte, was daraus entsteht. Vielleicht Gelee. Vielleicht Kartoffelsalat. Vielleicht Apfelmus. Vielleicht Gemüsetaler. Vielleicht Freunde. Vielleicht…

Oder ein Bärlauchpesto?

Zazen verpflanzen

Wenn wir Zazen wie eine Pflanze in uns verpflanzen, dann können wir sie wie eine Pflanze in uns hegen und pflegen und alle Vorteile der Pflanze für uns essbar machen, auf dass unser Leben niemals hungert und es durch diese Nahrung bereichert ist.

Die Pflanze Zazen ist beheimatet in einem jedem von uns, denn wenn wir auf die Welt kommen, ist dort zu allererst der Atem. Er schiebt uns ins lebendige Leben und wenn wir die Welt verlassen, ist er es, der uns ins absterbende, verwelkende Leben trägt.

Und er ist der Atem, sachte wie ein Windhauch, der uns noch im Verwelken die Vielfalt unserer Welt zeigt. Zazen ist die Pflanze in uns, die wir lieben lernen können und damit lernen wir uns selbst lieben und wenn wir dies begreifen, lernen wir die Liebe kennen, die keinen Unterschied mehr kennt. Die das gute und das böse Wort nicht trennt, sondern beides für sich nutzbar macht und als Dünger für die eigene Pflanze verwendet.

Denn die eigene Pflanze in uns, die Zazen sein kann, darf und ist, immer schon, bedarf beides, ebenso wie eine Pflanze. Sie braucht den Mist, den Kompost, das Verfaulende, das scheinbar „Missratene, Schlechte, Schmutzige“ genauso wie das Licht, die Freude des Regens, den Sonnenschein und die gute Erde.

Unsere eigene Bepflanzungen und Landschaftsfelder, die einen Raum entstehen lassen!

Unsere eigenen Landschaften? Unsere eigenen Liebenden/Vorlieben? Unsere eigenen Felder und Räume? Ist es nicht eine Grundbedingung erst diese zu Erfahren, zu Begreifen, bevor ich Anderes begreifen möchte und überhaupt kann?

Denkt einmal darüber nach, was Zazen in eurem Leben für eine Pflanze ist? Vielleicht erfahrt ihr dann, wie ihr Zazen in euer Leben, in eurem Garten wachsen sehen könnt und was es dafür braucht?

Uns allen einen hoffentlich bald beginnenden Sommer, einen Sommer, der Zazen in euch zum Blühen bringt.

Herzlich

Ellen Daoren

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