„Völlig egal“

SonntagsBlog „Völlig egal“, 27.07.2025

Liebe ZenhoflerInnen,

der Juli neigt sich mit Riesenschritten dem Ende zu und der August meldet sich mit üppigem Grün und den ersten abgemähten Feldern. Alles schwebt in Urlaubsstimmung bevor der Herbst mit kalten Winden Einzug hält.

Doch zwischen diesen Stimmungsschwankungen der Natur liegt das Erntefeld. Und dem Erntefeld ist es völlig egal, wer kommt und erntet, was geerntet wird und was damit geschieht. Das Erntefeld erfreut einfach das Herz des Feldes, denn es kann sehen, dass es sich für jemanden Anderen hingeben kann, ohne zu fragen warum, wieso, weshalb. Es tut es einfach.

Erntefelder in Unterfranken

„Völlig egal“

Das „völlig egal“ ist in unserem Wortschatz meist ein wenig negativ belegt. Da ist jemand, der kann sich nicht entscheiden. Da vertritt jemand keine Meinung. Da ist jemand, der hat kein Gefühl für sich, deshalb ist ihm alles egal. In der feineren Wortart heißt es: es macht nichts.

Doch schauen wir einmal genauer hin. „Völlig egal“, was heißt das eigentlich im ursprünglichen Sinn? Da ist etwas, das ist voll und egal und beides zusammen ergibt ein absolutes Gleichmaß, nämlich bis zum „völlig egal“.

Wann ist in uns selbst ein Zustand bekannt, wo alles in uns „völlig egal“ ist? Ein Gleichmaß? Ist da nicht immer wieder dieser Wille, der uns hierhin zieht und dorthin lenken will? Ist da nicht immer ein Bedürfnis, das uns vorschreibt, wie wir uns jetzt zu fühlen haben und was als einzige Antwort richtig sein kann? Letztes sagte jemand: Wenn ich morgens meine Yoga-Übungen nicht mache und meine ruhige Minuten haben, dann ist der Tag einfach nicht so gut. Ja, das ist so. Doch, ich musste so an meine Mutter denken. Sie stand morgens vor uns um sechs Uhr auf, heizte die Öfen im Winter an, machte ein Frühstücksbrot, weckte uns und schickte uns in die Schule. Nach all dieser Arbeit frühstückte sie und las dabei die Zeitung oder ein Buch. Dann begann das nächste Tagewerk. Ihr Bedürfnis interessierte niemanden. Sie tat es einfach. Wie oft meinen wir heute, das und das muss so und so sein, sonst fühle ich mich nicht wohl?

In welchem Haus fühle ich mich wohl? Kann ich mich in allen Häusern zu Hause fühlen?

Was ist „wohlfühlen“?

Doch, was ist „wohlfühlen“? Ist das ein Zustand, in dem uns unser Geist uns vorgaukelt, nur, wenn das so und so ist, geht das? Wie steht es bei uns damit, einfach einmal etwas auszuprobieren? Das Gewohnte, angeblich zum Wohlfühlen beitragende einmal fallen zu lassen und etwas anderes an diese Stelle zu setzen?

Bis her ging ich regelmäßig ins Fitness-Studio. Jetzt ersetze ich das durch einen Gang an der frischen Luft in der freien Natur. Was macht diese Veränderung mit mir? Bis her lümmelte ich mich im Liegestuhl, aber jetzt gehe ich zur Meditation? Was macht diese Veränderung mit mir? Bis jetzt waren mir Feste und Feiern wichtig, doch jetzt reduziere ich sie und genieße einmal die Stille beim Lesen eines Buches? Was macht diese Veränderung mit mir?

Was macht das mit mir?

Dies ist eine der bedeutsamsten Fragen. Was macht dies mit mir? Ganz egal, völlig egal, was euch begegnet, sich immer dabei zu beobachten und sich zu fragen: Was macht das mit MIR?

Nicht nach außen gucken, sondern hierbleiben, hier, genau hier, total hier, wie bei der Zazen-Meditation. Nicht umhergreifen nach Gedanken, nach Atem-Mustern, nach Bewegungsabläufen, sondern alles einmal in das: „es macht nichts“ gleiten zu lassen. Völlig egal, was da kommt, geschieht, mir begegnet.

Weinernte in Ligurien. Völlig egal, welche Traube in deine Hand kommt. Es macht nichts, wenn es tropft, klebt, der Rücken schmerzt und die Finger aufweichen.

Vertrauen

Einfach nicht mit einem Willen, Wollen, Interessen, Meinung einmischen, sondern völlig egal, was geschieht, mich hineinfallen zu lassen. Und das Einzige, was wir dafür brauchen, ist etwas, das jetzt in einem Absilo-Gespräch erarbeitet wurde. Es bedarf des Vertrauens zu sich selbst. Nicht zu Anderen und Anderem. Dieses Vertrauen zu sich selbst, führt in die Freiheit, in die Unabhängigkeit, in ein „es macht nichts“, dem ich mich „völlig egal“ hingebe.

Für uns Menschen ist dies die schwierigste Aufgabe mit, denn wir wollen ….. immer wieder wollen…. Und es ist einfach wirklich eine mühevolle mutige Aufgabe, sich dem immer wieder zu stellen. Ich übe weiter. Ich gehe weiter. Ich schaue weiter. Ich sehe weiter. Und in dem „weit-er“ liegt das Erntefeld von „völlig egal“ und dem „es macht nichts“.

Im „ES macht NICHTS“ liegt das GeHEIMnis von „VOLL EGAL“.

Und das wünsche ich uns allen jetzt.

Ein absolutes tiefes Gleichmaß, das ein „es macht nichts“ erspürbar macht, das uns allen einen tief verankerten Frieden schenkt.

Alles Liebe,

Ellen Daoren

2 Kommentare

  1. Moin liebe Ellen,
    Stimmungsschwankungen hat nicht nur die Natur. Das letzte Wochenende war sehr Emotional! Speziell am Sonntagabend und ich weiß noch nicht so Recht damit umzugehen, auf jeden Fall hat es mich vom ❤️ sehr beschäftigt in der Nacht. Auf Grund der vielen Arbeit bei der Hütte oder bei Euch mit Manfred, weiß ich was zu tun ist und ohne dem, hätte ich gestern anders reagiert! Ja, sacken lassen und schauen was ich tu.

  2. Liebe Ellen,

    Du sprichst mir hier – sozusagen, aus meinem tiefsten Inneren!

    Ja – das Vertrauen und die Hingabe. „Völlig egal“ was passiert ……
    Die beiden die sich immer wieder zeigen, zu den unterschiedlichsten Gegebenheiten und Anlässen.

    Ich freue mich von ganzem Herzen weiter zu üben – mit Euch – und mit allem!

    Und ich danke Dir sehr für Deine immer so treffenden und berührenden Worte!

    In tiefem Gassho
    Marco 🙏

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website ist durch reCAPTCHA geschützt und es gelten die Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen von Google