SonntagsBlog „Vereint sein“, 24. Mai 2026
Liebe ZenhoflerInnen,
wer sehnt sich nicht danach? Dieses „Vereint-sein“ mit sich selbst, mit einem anderen Menschen, den wir lieben, mit der Familie oder auch mit Kollegen und Nachbarn zu empfinden, zu erspüren, zu erfahren?
Wer möchte nicht dieses „vereint-sein“ lebendig erfahren, um sich ganz zu fühlen? Immerhin kommen wir so auf die Welt. Gäbe es kein „vereint-sein“, gäbe es kein einziges Wesen auf dieser Erde. Gäbe es kein „vereint-sein“, käme kein einziger Wassertropfen aus unserem Wasserhahn, käme kein einziger Stromkreis tuend bei uns an, käme kein einziger Joghurt ins Regal im Supermarkt. Nur gemeinsam, vereint eben, ist dies zu bewerkstelligen. Was hindert uns, dieses „vereint-sein“ wieder lebendiger in die alltägliche Welt zu integrieren?

Heilig-sein und vereint-sein
Als ich jetzt Jens in der Schwitzhütte traf, eines unserer Fördermitglieder aus der Nähe von Leipzig, der regelmäßig zu unserem Sesshin kommt, kamen wir auf die Veranstaltung Zen und Schwitzhütte zu sprechen. Ich erzählte ihm, dass es in diesem Jahr keine Anmeldungen groß gäbe und es wahrscheinlich ausfällt. Das „Event“ wird nicht wiederholt. Es gibt andere „Events“, die rufen.
Tobias sagte, wenn Schwitzhütte als „Event“ gesehen wird, ist die Tradition der Lakota und deren heiliges Beten nicht verstanden. Er stehe für solche „Events“ nicht mehr ein, denn für ihn ist diese Tradition heilig. Er sprach mir aus der Seele, denn Zazen ist für mich auch heilig, denn beide Traditionen ermöglichen genau diese Spur des „vereint-sein“, die Spur des „ganz sein“.

Die schwankenden Stimmungen
Jens meinte, es würden heute viele Menschen nach ihren Stimmungen gehen. Heute ist zwar diese Verabredung, aber mir ist heute nicht danach, also sage ich ab und gehe lieber dorthin, wo die Stimmung passt. Ich stelle die Frage: Welche Stimme spricht da? Ist das eine Ego- Stimme oder eine „vereint-sein“ Stimme? Welcher Stimme folgen wir wann und wie?
Im letzten Jahr gab es eine ähnliche Situation zu Zen und Biodanza, das übrigens im Benediktushof angeboten wird. (https://www.benediktushof-holzkirchen.de/kategorie/kw/bereich/kursdetails/kurs/26BD02/kursname/Biodanza%20Retreat%20Natur%20und%20Stille/kategorie-id/0/#inhalt) Und so ein Angebot ist genau hier!
Ellen schrieb damals am 18. März 2025
Liebe ZenhoflerInnen,
jetzt ist es entschieden. Die Veranstaltung Zen und Biodanza entfällt! Dies passiert jetzt nach fünf Jahren zum ersten Mal. Ich persönlich und als Zen-Lehrerin bin sehr traurig. Dass Zen-Intensiv immer mal wieder ausfiel, ist eines, aber eine derartige wirklich wundervollbringende Veranstaltung ausfallen zu lassen, ist Wahnsinn.
Eigene Vorstellungen und Ansichten zu verändern, ist schwer. Zen und Biodanza ist eine einmalige Kombination, die genau das ermöglicht. Konzeptionen und Vorstellungen zu verändern, in den Wandel zu bringen. Egal in welcher Lebenssituation wir stecken. Ich weiß, wovon ich spreche. Ich machte Biodanza in Kassel jede Woche, und Zazen jeden Tag und die Scheidungskrise, die Masterarbeit in Philosophie, mein Praktikum bei Transition Town – beides war mir zur Seite, hat mich getragen, egal wie müde und kaputt ich war. Nicht meiner Ego-Stimme gefolgt, die gesagt hätte, bleib zuhause und leg dich hin, sondern der „vereint-sein“ Stimme, die unser Körper und Geist seit Angedenken der Zeiten kennt und um das Eigentliche weiß. Eben Vertrauen.
Jetzt haben wir die Zeit, die Christiane Rogl für uns geblockt hat, weggeworfen. Ob sie diese Zeit uns noch einmal schenkt? Ein Verein trägt als Gemeinschaft. Doch, das setzt voraus, dass die Mitglieder des Vereins auch da sind, sonst kann niemand irgendjemanden tragen und stützen, unterstützen. Wer im Sesshin war, weiß wie eine solche Gemeinschaft trägt. Wir würden alle kein Sesshin durchhalten, wenn wir uns nicht gegenseitig halten und stützen würden. Wir sind pünktlich zum Zazen da. Da es alle tun, trägt uns das. Die Schwierigkeiten mit den Regeln bekommen wir in den Griff, weil wir brauchen nur zuschauen, was die Anderen machen und wir sind getragen. Die eingehaltene Ordnung. Das stille gemeinsame Sitzen. Der genaue Ablauf. Das beständig gemeinsame Tun.
Gerade tun MitgliederInnen dies. Sie tragen gerade das Vereint-sein, denn Manfred und ich sind im Zen-Kloster in Holland und sie haben sich bereit erklärt den Zendo lebendig zu halten. Sie sind da. Also kommt und erlebt „vereint-sein“. Ein Danke an alle.
Wem vertrauen wir noch?
Wenn wir diesen Menschen, die die gleiche Wahl zum Zazen getroffen habe wie wir selbst, nicht vertrauen, wem vertrauen wir dann noch?
Menschen, die sich still und bewegungslos hinsetzen und daran arbeiten ihren Geist und ihren Körper zu beruhigen, in einen friedvollen Lebenszustand zu setzen -dies alles sind gute Menschen. Das ist eine mutige Entscheidung. Ist das nicht ein Grund gerade hier zu ankern?
In unserer heutigen Zeit suchen wir beständig nach …, halten wir Ausschau, fühlen uns allein und unverstanden, wo schauen wir hin, immer wieder neu eine Entscheidung!
Fast jeden Sonntag erhaltet ihr ein Schriftstück von eurer Zen-Lehrerin und einem Menschen, der tatsächlich für alle schreibt. Wer liest es, schreibt einen Kommentar, hält Rücksprache? Ein Gespräch entsteht nur, wenn zwei sprechen! Ihr merkt, ich bin aufgewühlt. Eine wundervolle Kombination eines lebendigen Lebens findet keine Resonanz mehr. Das bewegt mich zutiefst. Was kann ein jeder von uns tun?
Jedenfalls, allen, die sich angemeldet hatten, danke ich für ihr Vertrauen. Es tut mir leid, dass einige von Euch, die es zum ersten Mal erlebt hätten, nun nicht erleben können. Dies tut mir aufrichtig weh. Es schmerzt mich. Eine gute Zen-Lehrerin sagt, was zu sagen ist. Das tat ich jetzt hier. Shunryu nennt dies: hart wie Stahl und weich wie Seide. Die meisten kennen meine weiche Seite und nur die Sesshin-TN kennen auch den harten Stahl. Die Zeilen, die hier stehen, gehören zu beiden Seiten.
Warum? Weil ich euch alle sehr mag, denn ihr seid gute Menschen! Und deshalb gebe ich mir Mühe und mache weiter, auch wenn ihr jetzt gerade der Gemeinschaft Zenhof Rödental e.V. einen kräftigen Tritt versetzt habt. Herzliche Grüße und eine gute Woche uns allen noch. Ellen Daoren

Dann kamen diese Schreiben!
Mittwoch, 19. März 2025 Margit
Oh, je liebe Ellen, ich versteh Deinen Ärger als Organisatorin und Kümmerin. Das ist ganz ganz sehr schade, wenn es ausfällt und es feststeht, hatte mich schon gefreut. Merke selbst, dass momentan viele in meinem Umfeld krank sind bzw nur kurzfristig entscheiden können, weil familiäre Probleme. Es ist die Zeit der Veränderung und auch wir stecken mittendrin. Wäre eine Idee, es drauf ankommen zu lassen. Aufruf und dann wer da ist, ist da. War kürzlich selbst in einer Veranstaltung die mit 12 – 15 Leuten geplant zu dritt. Finanzierung müssen wir dann sehen wie. Nur so eine Idee. Ich drück Dich. 💚Margit
Andreas, 18.03.2025
Liebe Ellen,
ich danke Dir für deine klaren Worte und fühle beim Lesen mit Dir. Ich fühle mich an manche Situation im Sesshin erinnert. Z.B. als Du uns mit aller Deutlichkeit den ersten Zustand erklärt hast, der Unwissenheit ist. Das habe ich mir gemerkt. In der konkreten Situation ging es um die Vorbereitung des Essens und der Missachtung einer klaren Anweisung.
Ich danke Dir von Herzen für deine Zeilen, da sie mich in meiner aktuellen Phase wachgerüttelt haben, auf meinen Nachbarn und Vermieter wiederholt zuzugehen und das Gespräch zu suchen, weil er aus meiner Sicht auch ein guter Mensch ist. Egal ob ich mich wiederholt gekränkt und missverstanden fühle. Ich werde es tun und über meinen eigenen Schatten springen, mir einen Ruck geben. Egal ob ich mich sehr ärgere und seine Reaktion nicht verstehe. Im Dialog bleiben, mich zeigen und lieber geöffnet, angreifbar bleiben und auf ihn zu gehen, als im Stillen mich zu ärgern und in geschriebene Worte oder fehlende Worte Dinge rein zu deuten. Was habe ich denn nur für seltsame Züge an mir. Wo ich es doch besser wissen könnte. … Aber egal, ich werde dank deiner Mail erneut das Gespräch suchen und höflich und ehrlich nach dem Grund der mir unverständlichen Reaktion fragen. Anders kann ich die unschöne Situation für mich und uns nicht klären.
Jetzt setze ich mich aber noch auf mein Kissen und schlafe dann, bevor es morgen 5 Uhr weitergeht. Die Meditation ist mir gerade eine gute Stütze, sie erlaubt mir, Dinge auch wieder loslassen zu können, die mich im Alltagsgeschehen fesseln und fordern. Das Lesen deiner Mail hat mich aber zu dieser Antwort bewegt, da ich durch sie morgen auf meinen Erik zugehen werde. 🙏🏻 Ganz herzliche Grüße und Danke für Deine Inspiration, Andreas. 🙏🏻🙏🏻🙏🏻

Wachgerüttelt. Auferstanden. „Vereint-sein“
Und dann fand Zen und Biodanza statt, allein wegen Margit und Andreas Worte. Mutig stellten wir uns dem unwegsamen Unbekannten. Wachgerüttelt. Auferstanden. Gemeinschaft erlebend. „Vereint-sein“ im gemeinsamen freudigen Tun. Mut zum Unbekannten. Ein lebenswertes und liebenswertes Tun! Und alle, die dabei waren, hatten wieder einmal das Strahlen im Gesicht und die Freude im Herzen ist neu genährt. Was hindert einen jeden von uns, es einfach zu tun? Die Freude im Herzen zu nähren? Gerade bei einem Sommerfest, wo es um nichts Anderes als einfach Freude geht und die entsteht oft genau dann, wenn wir einmal über unseren eigenen Schatten springen.
In diesem Sinne wünsche ich uns nun eine schöne Zeit und ich freue mich uns alle vereint wieder zu sehen.
Herzlich Ellen Daoren
