Unserem Tun zuschauen

SonntagsBlog „Unserem Tun zuschauen“, 13. September 2026

Liebe ZenhoflerInnen,

nun lässt sich der Herbst nicht mehr aufhalten. Die Spätsommertage vereinzeln sich und die Temperaturen sinken. Dennoch freuen wir uns noch über die Sonnenstrahlen, die auch jetzt noch durch die Wolken hervorlugen und uns davon erzählen, dass die Sonne immer scheint, auch wenn wir sie nicht immer sehen und spüren können.

Auf dem Main. Kanufahrt mit Ewald. Was fährt wirklich? Das Boot und das menschliche Tun?

Vor einiger Zeit las ich in einem meiner Tagebücher folgenden Satz, den ich aufgeschrieben hatte:

„Wir Menschen schauen die Dinge, aber nicht unser Wirken, unser Tun an. Doch genau dieses Tun sind wir.“

Wo schauen wir hin?

Von klein auf lernen wir auf das zu schauen, was wir tun, was da vor uns liegt, in unseren Händen halten, unter unseren Füßen ist und was wir heben, verschieben, mit was wir werkeln. So fällt es uns heute leicht ein Youtube-Video zu verfolgen, auf einem Tablett einen Film zu sehen oder auf dem Handy Informationen einzuholen, denn es ist ja dort, da vor uns und das haben wir lange geübt. Das erkennen wir. Das sehen wir. Das hören wir. Das nehmen wir für wahr.

Wie oft sage ich, dass Hände neue Haltungen lernen und damit unser Geist! Oryoki ist ein Meisterwerk darin, dem eigenen Tun zu folgen.

Unsere Tat-Sachen!

Doch, was ist mit unserem wirkenden Tun? Unsere Tat-Sachen? Die Tat, die das erst ermöglicht, ein Video zu schauen, einer Information zuzuhören, ein Gespür für eine Yoga-Übung zu bekommen?

Sind nicht wir selbst dieses Tun? Dieses Wirken? Sind es wirklich die Dinge, die so wichtig sind und/oder ist es unser eigenstes Tun? Welche Erkenntniserweiterung setzt unser Tun mit ins Blickfeld? Wann gelingt es uns, die Aufmerksamkeit von dem Ding hin zur aufnehmenden Hand zu bringen? Ist der Wert des Dinges größer und beachtenswerter als das, was das Ding in die Hand nimmt – unser eigener Körper?

Bleiben sie fit!

In den Fitness-Studios und Sportgruppen, bei den Hausärzten und Gesundheitsratgebern, überall heißt es, achten sie auf ihren Körper, nehmen sie ihn mit und halten sie ihn gesund. Nehmen sie diese Tablette und sie können schlafen. Nehmen sie diese Übung und sie haben keine Rückenschmerzen mehr. Nehmen sie diese Vitamine und sie werden nicht mehr krank.

Überall der so wertvolle Hinweis auf den Erhalt unseres Körpers. Aber dort, wo alles beginnt, achtet niemand auf ihn. Unser tagtägliches Tun, unser Wirken hier vor Ort ganz direkt mit unserem körperlichen Sein. Das Gemüse putzen –was putzt?  Die Toilette reinigen – was reinigt? Die Bluse bügeln – was bügelt? Die abgeblühten Blüten im Garten schneiden – was schneidet? Die Tastatur des Computers drücken – was drückt? Ganz egal, was wir tun, wir tun es mit diesem Körper und ohne unseren Geist täten wir wahrscheinlich garnichts?

Ein Kissen stopfen – Hände!

Was wären wir ohne unser Tun?

Was wären wir ohne unser Tun, das auch das Denken einschließt? Es gäbe keine Brücke und keinen gekochten Eintopf. Es gäbe keine Zazen-Meditation und keine Urlaubsfahrt.

Wir sind tatsächlich wirklich unser Tun. Unsere TAT-SACHEN!

Und jede Bewegung und jeder Gedanke, die auf das Was gerichtet sind, ziehen unsere Aufmerksamkeit von diesem wirkenden Tun z.B. der Hände, der Füße, des Rückens, der Augen, der Ohren… ab.  Daher ist es „tat-sächlich“ das Einzige, dass uns wirklich helfen kann, zu üben, bei den Tat-Sachen zu bleiben.

Also, was macht z.B. meine rechte Hand den ganzen Tag über? Wo ist mein Atem in diesem Augenblick? Atme ich bei dieser Handlung ein oder aus? Ist die Handlung bereits das Atmen?

Ist die Hand bereits das atmende Tun?

Zazen-Meditation ist eine praktische Übung, die uns helfen kann, neu zu erfahren, was unserem gesamten Aufmerksamkeitsbereich zugehörig ist. Nicht nur das Was, sondern auch das Wie und das sind wir selbst. Übrigens eine Erfahrung, die gerade in einer Schweige-und Meditationswoche Sesshin besonders innig erspürbar ist.

Ich wünsche uns allen ein gutes Gelingen in dieser eigenen alltäglichen Übung des aufmerksamen Körperbereichs anzukommen, denn dann ist auch der Geist ruhiger, denn er ist hier, genau hier und das ist dieser Moment unseres Lebens.

Herzlichen Dank für Euer unermüdliches Weiterüben.

Ich freue mich auf Euch

Eure Ellen Daoren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website ist durch reCAPTCHA geschützt und es gelten die Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen von Google

Nach oben scrollen