„Überwinden“

SonntagsBlog „Überwinden“, 20. September 2026

Liebe ZenhoflerInnen,

ein sehr bemerkenswertes Wochenende geht zu Ende. Ulrich Pühn, der den Selbsterkenntnisprozess anstößt durch den sogenannten Grundton, der jedem Menschen eigen ist, war tatsächlich hier. Herzlichen Dank für seinen Besuch hier bei uns in Rödental.

Ulrich Pühn, Grundtonbestimmung

Überwindungen!

Mir kam bei seinem Vortrag am Samstagmorgen das Wort „Überwinden“ in den Sinn. Die Stimme zu erheben, fällt uns im Streit nicht schwer, aber, wenn wir die Stimme zu einem Tongesang anstimmen wollen, fällt uns dies plötzlich schwer. Vor allem, sollten auch noch andere Menschen im Raum sein.

Wenn wir uns dann „überwinden“ wie damals bei Manfreds kleiner Seminareinheit zum Tönen, dann entsteht plötzlich tief drin eine feine Freude, die in uns beginnt zu schwingen.

Und schon sind wir bei den Schwingungen angelandet, die unseren Körper und Geist in Bewegung bringen.

Über den Winden?

Alles beginnt mit diesem „sich überwinden“. Was ist das?

„Sich überwinden“, heißt das nicht so viel wie, über den eigenen Schatten springen, einmal etwas ganz anders machen als gewohnt? „Sich selbst überwinden“, heißt das nicht so viel wie, ich bin jetzt mit meinem großen Ich einmal nicht mehr so wichtig, sondern ich lasse mich auf diesen Moment ein? Ist es nicht so, dass ich dann einfach einmal zulasse, keine Kontrolle zu haben, sondern einfach so eine Art „Reset-Taste“ drücke, die bei Null anfängt? Neu-Start eben?

Neu-Start

Ich schaue mir zu, wie ich mich selbst überwinde. Ich gehe hinüber auf die andere Seite und schaue von außen auf mich. Ich lerne mich selbst anders sehen. Und über den Winden zu sein, heißt auch, ich lasse mich nicht mehr von den Winden treiben, mal hierher, mal dorthin, sondern, ich bin im ruhigen Fahrwasser angekommen. Einfach nur Zuschauen. Den Spiegeln, die mir begegnen als meine Eigenen sehen. Nicht das Andere, sondern all das bin ich auch noch.

Reset? Ach, so, jetzt noch einmal von vorne. Die Klanginstrumente stehen so und nicht so… Und ich fange noch einmal an!

Ist nicht Zazen genau so?

Ist nicht Zazen auch ein sich „überwinden“? Es einfach zu tun, auch wenn wir keine Lust haben, auch wenn der Tag so voll war, dass… Ist es nicht einfach gut, einfach einmal all die aufgebauten und selbst konstruierten Ideen, Meinungen, Ansichten, Erwartungen, Vorstellungen, diese einfach einmal abgeben zu können und sich dem „überwinden“ hinzugeben, um wenigstens einmal in der Woche oder am Tag diese kleine feine Freude des Neu-Starts zu erspüren, zu erahnen?

„Sich selbst überwinden“

Kostet dies Kraft, Energie? Dieses „sich selbst überwinden“? Wenn wir im Wald spazieren gehen und auf einen Baumstamm stoßen, der den Weg versperrt, was machen wir? Bleiben wir ratlos davorstehen und gehen dann zurück oder nehmen wir dieses Hindernis und überwinden es, indem wir es umgehen oder überklettern?

Wenn wir in einen Stau auf der Autobahn geraten, müssen wir nicht dieses Hindernis hinnehmen und es überwinden, indem wir die Stunden ausharren?

Also ist „sich selbst überwinden“ eigentlich gar nicht so schwer. Warum tun wir es dann nicht immer wieder in einer so einfachen Übung, die uns eine kleine tiefe einfache Freude beschert, wie die Zazen-Meditation. Eine Meditation, die nichts weiter fordert, als dieses „sich setzen“ und da-sein, genau an diesem Ort sein, der ja eindeutig und tatsächlich ein jeder von uns selbst wirklich ist.

Sich selbst überwinden, heißt sich öffnen, oder!

Wir überwinden damit ja nicht nur einfach uns selbst, sondern wir lassen Raum entstehen für all das Andere. Für das, was mit uns ist. Ist das nicht schon Freude an sich. Ein über den Winden im ruhigen Wasser des großen Sees mit dem Boot, in dem wir nun einmal sitzen, spielen, egal, was die Winde anrichten. Wir steuern unser Boot ruhig und gelassen. Wir sind „Überwindende“. Lohnt es sich nicht dafür, es einfach zu tun? Kostet es nicht auch Kraft und Energie, diesen Überwinder zurückzuhalten? Ihm nicht zu vertrauen und in den eigenen Vorstellungen „gefangen“ zu bleiben?

Streichhölzer in ein besonderes Aschegefäß zu stecken, ist das nicht Festhalten an Vorstellungen, statt diese zu überwinden und eine andere Möglichkeit zu erwägen und umzusetzen?

Zazen – eine überwindende Kraft?

An diesem Wochenende hörte ich mich in einem Gespräch mit Ulrich Pühn sagen, dass Zazen mich durch alle Höhen und Tiefen getragen hat. Es war mir zur Seite und hat mich nicht im Dunkeln stehen lassen. Es ist mit mir durch die Überwindungen geschritten und hat mich stets behütet, begleitet und beschützt. Das Überwinden wurde im Laufe der Jahre immer leichter und jede Minute auf dem Kissen ist im Nachhinein aus meiner Perspektive heute ein unglaublicher Zugewinn gewesen. Ja, Gewinn. Denn das Überwinden schafft Raum für etwas, was vorher keine Chance gehabt hätte. Und ist das nicht ein konstanter Zugewinn an lebendigem Leben, von dem wir nur eines haben?

Also lasst uns uns einfach miteinander trauen, es weiterhin zu tun und uns weiter selbst zu überwinden.

Herzliche Grüße

Ellen Daoren

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