Rote Mohnblumen

SonntagsBlog „Rote Mohnblumen“, 15.Februar 2026

Liebe ZenhoflerInnen,

es ist so weit, der Frühling nähert sich, auch wenn der Winter noch einmal Hallo ruft. Die ersten gelben Winterlinge und zarten Schneeglöckchen erheben sich und die Vögel besingen diesen neuen Frühling schon.

Wie viele Frühlinge sahen wir schon? Wie viele davon sind uns in bewusster Erinnerung? Was koppeln wir für Welten an den Frühling? Wie viele Frühling werden wir noch sehen?

Mohnblumen

Als ich jetzt in Königsberg in Bayern in Schreibzeit war, war ich in einem kleinen Künstler Atelier im Handwerkerhof. Elias Wolff heißt der Künstler. Es ist ein alter Mann, der weiß, dass er bald sterben wird. Daher erschafft und arbeitet er gerade an seinem letzten großen Werk. Er möchte ein Bild erschaffen von einem Kranich, der in die unter-und auch aufgehende Sonne fliegt. Er sucht Farben, Muster von Kranichen, überträgt sie auf Metallplatten und schaut sich an wie das wirkt. Er erzählt mir seine Geschichte. Begleitet wird er von Minchen, einem Hund, der auch seine eigene Geschichte hat. Bei ihm sah ich ein großes Bild mit Mohnblumen in einem wunderbaren Rot an der Wand und es war so, als wenn das Bild sagte: Wir gehören zusammen. Ja, und ich kaufte es. Jetzt hängt es bei uns im Flur. Und nun ist die Mohnblumenwiese ein Teil der alten Dame.

Elias Wolff, Mohnblumen 2008

Die Mohnblume hat je nach Kultur verschiedene Bedeutungen. Sie steht für ewiges Leben, Tod, Fantasie, Sehnsucht, Leidenschaft, Entspannung, Schönheit, Zartheit, Magie, Vergänglichkeit, Glück, Zerbrechlichkeit.

Und wenn wir nun auf den Frühling schauen, wie viel von diesen Bedeutungen finden wir dort. Ein ewiges Leben. Die Wurzeln und Samen der verschiedenen Pflanzen hören nicht auf zu wachsen. Unsichtbar erst, strecken sie plötzlich ihr Sein uns entgegen. Sehen wir sie dann wirklich oder übersehen wir sie?

Das Sichtbare im Unsichtbaren – Zazen

Beim Zazen ist der Atem erst einmal unsichtbar für uns. Wir spüren ihn irgendwo und irgendwie, aber ein Freund wird er erst, wenn wir seine Wurzeln, seine Samen und seine Vielfalt kennen, die sich in seiner ewigen Anwesenheit für uns da zu sein zeigt. Er steht uns immer zur Seite. Er ist voller Leidenschaft, wenn wir ihn dringend benötigen, um zum Beispiel im Garten einen schweren Baumstamm an die Seite zu schaffen. Er ist voller Zartheit, wenn wir mit unserem Partner liebevoll beieinanderliegen. Er ist voller Magie, wenn wir Zazen sitzen und nicht wissen, ist er es jetzt, der mich leitet oder bin ich es, der ihn leitet?

Mohnblumen und Zazen

Irgendwie erinnern mich daher diese Mohnblumen an Zazen. Mohnblumen vergehen in ihrer blühenden Schönheit sehr schnell. Gerade sind wir noch tief mit unserem Atem verbunden, spüren die Einheit und schon ist es vorbei. Die Mohnblume hat ganz zarte Blätter, die angefasst fast unter den Händen zerbrechen, genauso wie unser Atem. Fassen wir ihn zu hart an, zerrinnt er uns unter den Händen und wir verlieren das Bemerken von ihm. Greifen wir ihn ganz vorsichtig, lassen uns von ihm leiten, begleiten (das erste Gelöbnis), gleiten in ihn hinein ohne etwas zu wollen, eben „ganz ruhig“, dann nimmt er uns mit in seine Zartheit, Zerbrechlichkeit, Zuneigung und Schönheit.

Ein Einzige! Was lehrt sie uns? Was sehen wir? Was sehen wir nicht? Ist es nicht immer so, dass sie bereits viel mehr weiß, als wir jemals wissen werden? Ist sie es nicht die seit Jahrtausenden erblüht überall auf der Welt? Hören wir ihr doch einfach einmal zu?

Die Schönheit eines Atemzuges

Lasst uns gemeinsam einfach weiter dieser einzigartigen Schönheit folgen, denn sie hält die Welt zusammen, verbindet sie. Wir sind SchülerInnen dieser Ewigkeit, die uns eine einzige Mohnblume mit ihrer ganzen Schönheit vor Augen hält. Zazen ist nichts Anderes. Ein einziger Atemzug ist jedenfalls für mich eine so unglaubliche Schönheit, dass es mir manchmal fast den „Atem raubt“. Und da ist sie die Paradoxität, der angebliche Widerspruch, der sich im Zazen auflöst. Und das können wir vom Atem lernen, den Widerspruch aufzuheben, der uns nur von unserem wahren Selbst mit einer „echten“ Intuition, die unseren Kern wirklich kennt, entfernt.

Ich freue mich, weiterhin mit euch allen zu üben, denn für das Bemerken und Sehen lernen dieser Schönheit lohnt sich das Dienen.

Herzliche Grüße

Ellen Daoren

3 Kommentare

  1. Hallo liebe Ellen, da bekommt man richtig Frühlingsgefühle bei den Blümchen obwohl es heute echt nicht schön draußen ist und wieder kalt geworden ist. Ich wünsche einen schönen Valentinstag 💝

  2. Liebe Ellen,
    Glückwunsch zu deinem/eurem schönen Bild und viel Freude beim täglichen Betrachten. Ich habe auch ein tolles Bild von meinem Bruder erschaffen im Wohnzimmer hängen, an dem ich mich sehr oft erfreue und was mir richtig gut gefällt.

    Deine aufgezeigte Analogie zwischen der Fragilität der Mohnblume und dem Atem finde ich großartig. Danke für diesen Gedanken.

    Ganz herzliche Grüße und eine schöne Vorfreude auf den Urlaub, Abdreas.
    🙏🏻☺️

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