Oster-Fest

SonntagsBlog „Oster-Fest“, 29. März 2026

Liebe ZenhoflerInnen,

wir drehen uns einmal um und schon leuchten die Wiesen in bunten Farben. Primeln, erste Tulpen, gelbe Narzissen, blaue Traubenhyazinthen, gelbe Winterlinge, Krokusse und viele bunte Felder zeigen sich. Wir drehen uns noch einmal um und die Fastenzeit ist vorüber und Ostern steht vor der Tür.

Kreuzigung und Auferstehung

Wir hier im Zenhof nutzen diese Oster-Tage zur inneren Einkehr. Gerade Ostern als Fest der Kreuzigung und Auferstehung ist dafür ideal. Wir setzen uns einfach auf die Matte, aufrecht, gerade, beobachten unseren Körper und Geist, unsere Gedankenwelten, Gefühlswelten und werden zu Gekreuzigten, denn auch wenn unsere Beine sich nicht immer im Außen kreuzen, so kreuzen sich doch Körper und Geist beständig. Wir werden zu Beobachtern unseres eigenen Gekreuzigt-Seins. Wir sehen unsere Lasten. Wir erfahren uns in unseren Meinungen, Sorgen und Vorstellungswelten. Wir sehen dem Kreuzen von Körper und Geist zu.

Der Alltag des Sesshin ist so gestaltet, dass wir dieses Kreuzen von unseren Vorstellungswelten und Erwartungshorizonten beständige neu erleben, denn wir kreuzen an Kreuzungen, die wir bisher noch nie in den Blick genommen haben. Wir kreuzen anderen Menschen und ihre Facetten. Durch das Schweigen erfahren wir schnell mit welchen Menschen wir hier zusammenkommen, eben kreuzen. Wir begegnen unseren eigenen Kreuzungen, weil wir uns beobachten in unseren Handlungen. Wie schlagen wir das Han-Brett? Haben wir den Ämter-Plan gelesen und halten wir uns an eine Regel, wie z.B. den mir Entgegenkommenden kurz zu achten mit einem Moment des Innehaltens aller Bewegung? Eine angedeutete Verbeugung?

Das Kreuzen beruhigen

Wir kreuzen mit unserem eigenen Körper und Geist hin und her und schauen uns zu, wie dieses Hin-und Her des unruhigen Geistes uns hierhin und dorthin wirft und wie wir in unserem beständigen Bemühen dieses Kreuzen, auch unser Kreuz, den Rücken beruhigen. Immer wieder neu setzen wir an und wählen an den uns entgegenkommenden Kreuzungen vertrauend auf unsere Intuition das in diesem Augenblick angemessene Tun. Und je mehr wir uns vertrauensvoll diesem Prozess des Gekreuzigten anvertrauen, umso mehr entsteht in uns eine Befreiung und das ist Auferstehung.

Auferstehung-jedes Jahr neu. Jeden Tag neu. Jeden Augenblick neu. Auferstehung geling immer, wenn wir uns vor der Kreuzigung nicht scheuen. Denn die Kreuzigung ist immer anders als wir denken. Sie ist, das, was sie ist, für einen jeden auf seine Weise. Doch laufen wir davor weg, entfernen wir uns immer mehr von der Auferstehung, die wir doch so sehnlichst herbeiwünschen. Das hilft nur eins: Es tun.

Auferstehung

Wir stehen neu auf, erwachen zu einem neuen Leben, einem anderen Leben. Und alle, die bisher ein Sesshin wirklich durchgesessen haben, wissen darum, dass das Leben sich langsam aber beständig erneuert und erwacht. Daher tun wir es immer wieder. Wir lassen uns auf dieses Gekreuzigt-Werden ein und stehen neu auf, denn das macht uns reich und zufrieden, manchmal sogar wirklich richtig glücklich.

So wünsche ich uns allen jetzt ein gutes Gelingen, denn Auferstehung gibt es nicht ohne Kreuzigung. Die gekreuzten Beine helfen uns, das Erwachen gelingen zu lassen. Dafür bin ich unendlich dankbar, dass diese gekreuzten Beine mit allem, was dazu gehört vor vielen Jahren in mein Leben traten. Keinen Tag habe ich bereut, den ich gekreuzigt erlebt habe, denn das Auferstehen ist ein Fest. Ein Oster-Fest.

Herzliche Oster-Grüße

Ellen Daoren

Ein Kommentar

  1. Liebe Ellen,
    ich wünsche Dir und Euch ein gutes, erkenntnisreiches, heilsames, inspirierendes, erbauendes Sesshin. Meine Gedanken werden in dieser Zeit öfters bei Euch sein. Viel Mut und Kraft für die kommenden Tage.

    Herzliche Grüße, Andreas. 🙏🏻

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