„Nicht erreichbar“

SonntagsBlog „Nicht erreichbar“, 9.11.2025

Liebe ZenhoflerInnen,

das nebelige Wetter lädt uns ein, gerade jetzt nicht erreichbar zu sein. Wir kuscheln uns in eine Decke mit einem guten Buch, hören Musik, schauen eine Serie im Fernsehen, ruhen gedankenverloren im Kerzenschein.

Heute am Teich in Neershof

Nicht erreichbar

Doch „nicht erreichbar“, so schreibt Don Juan in Carlos Castaneda, ist nicht dieses „nicht erreichbar“ sein. Er formuliert ein „nicht erreichbar“, das viel weiterreicht.

Im Zeitalter des Handys scheint eine „Nicht-Erreichbarkeit“ undenkbar. Es ist ja gerade das Herausragende, dass dies möglich ist. Überall und immer erreichbar zu sein. Manche Menschen gehen sogar schlafen mit einem eingeschalteten Handy. Es könnte ja ein Notfall sein. Was machten die Menschen im Zeitalter der Telefonzelle? Wurden deswegen weniger Menschen menschlich behandelt?

Manchmal glaube ich, dass es umgekehrt ist. Damals gehörte das Menschliche noch zum alltäglichen Leben gerade wegen der nicht beständigen Erreichbarkeit. Wenn wir einander begegneten, dann waren die Menschen wirklich zusammen und saßen nicht vereinzelt über einen Handy-Bildschirm und Co.

Gerade beim Oryoki ist das „nicht erreichbar“ besonders zu erfahren und welches „erreichbar“ sich öffnet!

Nicht erreichbar im Zendo?

Doch, was heißt „nicht erreichbar“ sein? Stellen wir uns vor, wir sitzen Zazen. Wir sitzen gemeinsam im Zendo. Ein jeder findet zu seinem Atemrythmus, beginnt die Atemzüge zu zählen oder arbeitet mit einem Wendewort. Und ein jeder von uns beobachtet sich, wie die Gedanken mehr oder weniger von uns ergriffen werden und uns vom Atem wegholen und uns wegtragen. Wenn wir an dieser Stelle mit „nicht erreichbar“ arbeiten und das könnt ihr einmal ausprobieren, was passiert dann? Ihr sagt den Gedanken, dass ihr nicht erreichbar seid. Wenn die Gedanken eure wirkliche feste Absicht spüren, dann stellt ihr fest, dass sie tatsächlich weniger werden und sogar plötzlich absolute Ruhe einkehrt. Nehmt das „nicht erreichbar“ mit in die Meditation und bleibt beim Atem und seinem Tun. Für anderes seid ihr einfach nicht erreichbar.

Nicht erreichbar, den ihr rastet im Garten des Rastens und was erreicht ihr stattdessen?

Das Erreichen durch „nicht erreichbar“?

Und dann gibt es noch eine Besonderheit dieses „nicht erreichbar“. Wenn wir das „nicht erreichbar“ tun, dann erfahren wir eine besonders tiefe Erreichbarkeit. Diese Erreichbarkeit ist nicht die gängige Erreichbarkeit für die Verabredung eines Abendessens oder den Besuch eines Konzerts. Diese Erreichbarkeit im „nicht erreichbar“ ist das offen sein für das, was uns wirklich erreichen kann, das, was uns bereichert.

Mitten im Tun des „nicht erreichbar“ liegt frei und offen für uns das Erreichen unseres eigenen Lebens. Unsere eigene Geschichte, die uns unseren Lebensweg zeigt. Dieses Erreichen ist das Bereichernde, das uns Befreiende, das Atmende, das Vollständige, das beginnt mit uns zu kommunizieren.

Da, plötzlich ist es da!

Mich in das Erreichen des „nicht erreichbar“ hineintrauen

Also lasst uns doch üben „unerreichbar“ zu sein für das Erreichbare unseres ureigensten Lebens. Plötzlich erreicht uns die Traurigkeit eines Menschen, eben weil ich selbst unerreichbar bin, mich selbst nicht so wichtig nehme, nicht immer meine Geschichte in den Vordergrund dränge, sondern mich wirklich in diese Unerreichbarkeit des Erreichen, das Reiche des Ganzen hineintraue, mich hineinbewege. Nicht davonlaufen aus Angst, der Begegnung des Unbekannten, denn ich kenne es ja wirklich nicht, dieses vollständige Reich.

Aber ich kann üben und erfahren, mich ihm zu nähern. Dies wünsche ich uns jetzt allen. Mit dem Üben des „nicht erreichbar“ das Reich des bereichernden Erreichens zu betreten.

Uns allen!

Herzliches Gassho

Ellen Daoren

Ein Kommentar

  1. Sehr schön geschrieben liebe Ellen. 🤗
    So klar – so nah vor einem – und doch ….. – scheint es manchmal so weit weg.
    So wollen wir es Üben!
    Mit jedem Atemzug.

    In Gassho
    Marco 🙏

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