Ist es möglich?

SonntagsBlog „Ist es möglich?“, 3. Mai 2026

Liebe ZenhoflerInnen,

die letzten drei Wochen nach dem Oster-Sesshin waren getragen von „gesund-werden“ und „gesund-sein“ und vielen Veranstaltungen, die klein und leise daher kamen.

Es fand über die VHS tatsächlich ein Oryoki-Essen statt. Meditatives Essen in Gemeinschaft. Aufmerksames und achtsames Essen einmal ganz anders als gewöhnlich gedacht und erfahren. Mich hat es sehr gefreut, dass ich diese Erfahrung weitergeben durfte. Keine Fokussierung auf die Sinne, sondern auf das Tun selbst.

Oryoki Set
Oryoki Set

Es fand eine Veranstaltung an einer Grundschule in Rödental statt. Eine Mutter unseres Zenhofs hat mit ihrer Tochter eine Einführung in die Meditation mit der Klassenlehrerin abgesprochen. Grundlage ist das tolle Kinderbuch „Großer Panda und kleiner Drache“.

Ja, es ist möglich.

Ja, ist es möglich, dass Kinder im Alter von sechs/sieben/acht Jahren einfach stillsitzen und ihren Gedanken zuschauen und einfach ruhig sind. Ist es möglich? Die Bilder zeigen es. Ja, es ist möglich. Anschließend malten die Kinder ihre Gedanken auf ein von Mutter und Tochter vorgefertigtes Puzzle-Stück. Diese wurden zu einem großen Oval zusammengelegt und dieses hängt nun in der Klasse und erinnert an diese Einheit.

Kerzengerade. Aufrecht. In sich gehend. Versunken. Still.

Was ist da passiert? Was brachten die Kinder mit?

Erstens Zuhören-können. Und sie hörten zu als ich die Geschichte von Gautama Buddha erzählte. Und einige SchülerInnen nahmen diese Erzählung mit in ihre stille Gedankenwelt. Ein Kind malte daraufhin ein Bild von einem Friedhof und einem Grab. Es sagte, es habe an seinen toten Opa gedacht. Ein anderes hatte an einen Sternenhimmel gedacht und malte ihn auf. Das heißt, sie setzten das Gehörte um in eine Tat. Nicht einfach nur konsumieren, sondern auch tun.

Zweitens aktiv sein. Nicht nur das Malen, sondern auch das Ausprobieren aller Kissen, Bänkchen und Matten, die wir mitgebracht hatten. Ein Durcheinander, das dennoch irgendwie nicht entartete, sondern bei der Thematik blieb.

Auch bei Unschärfe sehen wir das Bemühen der Hände.

Drittens konnten alle Kinder ihre eigene Erfahrungswelt zum Ausdruck bringen. Sie malten nicht irgendein Bild, sondern genau dieses Erfahrungs-Gedanken-Bild.

Viertens dieses Bild wurde mit allen gemeinsam geteilt auf einem großen Plakat, das die Gemeinsamkeit von fünf Minuten Stillsitzen zeigt. Eine Vielfalt von Gedanken-und Gefühlswelten, Wunschwelten und Seins-und Werdenswelten. Eine Offenbarung.

Kinder können es noch!

Und, ja, es ist möglich, dass Kinder dies noch können.  Gleichzeitig lief ein VHS Kurs Zazen-Einführung. Auch diese Erwachsenen fingen mit fünf Minuten an, aber sie stellten ihre Gedanken nicht mehr so frei zur Verfügung und erkannten sie auch nicht mehr so deutlich. So stellt sich die Frage: Wie verlieren wir Menschen, die Fähigkeit, unsere Gedanken-und Gefühlswelten zum Ausdruck zu bringen? Wodurch ersetzen wir stillsitzen? Was bewirkt stillsitzen, wenn wir es tatsächlich jeden Tag täten? Wie sähe eine Gemeinschaft, eine Gesellschaft aus, die Eigenschaften des Menschen wie Zuhören, aktive Umsetzung von eigenen Welten in eine Form und ein Gemeinsames unterstützen, fördern und ausbauen würde?

Diese Stunden haben gezeigt, dass es geht. Ja, es ist möglich mit Kindern zu meditieren. Ja, es ist möglich, sie zu begeistern. Ja, es ist möglich, einfach anzufangen. Ja, es ist möglich, es einfach zu tun.

Alle sind dabei. Auf ihre ganz eigene Art. Viele Jahre später scheint die Individualität des jetzigen Sitzens im Zazen-Sitz verloren, aber in Wirklichkeit ist sie mehr vorhanden als jemals zuvor. Ein Selbst, das sich verändert, wandelt und sich zuwendet.

Einfach tun!

Einfach tun. Nicht warten auf…??? Nicht überlegen, ob…??? Nicht zweifeln ob der Richtigkeit? Einfach tun. Vertrauen: Es zeigt sich schon, was sich ergibt.

Es wird Kinder und Erwachsene geben, die die Meditation Zazen lieben lernen und nicht mehr aufgeben und verlassen. Es wird welche geben, die es ablehnen. Es wird welche geben, die es tun, aber das Herz weglassen. Es wird welche geben, die ein Sportübung darin sehen. Alle Formen des menschlichen Seins tauchen auf, aber das Wichtigste von allem ist, dass sie die Berührung mit Meditation überhaupt hatten. Vielleicht kommt ein Lebensabschnitt, wo sich die Kinder erinnern, da war einmal etwas, was still und ruhig war und sie greifen erneut darauf zu. Ist das nicht schon Zukunft und Güte?

Ja, einfach tun, so wie wir auch im Verein, einfach weiter es, diese Zazen-Meditation tun. Wir machen einfach weiter. Ohne zu wollen. Ohne zu wissen. Einfach tun. Und schon im Tun bemerken wir diese feine stille Ruhe, die ab und zu herbeiweht und uns zeigt: ah, das bin ich jetzt. Lohnt es sich dafür nicht, es zu tun?

Fünf Minuten – welch eine Vielfalt!

Ihr kennt meine Antwort. Und so wünsche ich uns allen jetzt ein: Einfach tun. Eine Meditation Zazen einfach lieben lernen, weil es der einzige Ort auf der Welt ist, wo wir ganz mit uns allein sind, mit allem, was wir sind und mit all unseren Welten, die immer auch die Welt aller ist.

Uns allen eine gute Zeit

Ellen Daoren

2 Kommentare zu „Ist es möglich?“

  1. Marcel Kuepper

    Wunderbar zu sehen, wie offen und aufrichtig dies weitergegeben werden kann und nicht
    einfach in eine Schublade gelegt wird. Sehr erfreulich das zu lesen, danke Ellen.

  2. Ein sehr schöner Bericht mit den Kindern und sie hatten bestimmt Spaß so wie man es auf den Bildern erkennen kann. Eine richtig gute Idee 🙏 ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag ☀️

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