Etwas, das trägt für lange Zeit

SonntagsBlog „Etwas, das trägt für lange Zeit“, 16. August 2026

Liebe ZenhoflerInnen,

herzlich Willkommen im Sommer. Der Regen der letzten Nacht hier in Rödental ein Geschenk des Himmels. Danke.

Diese Erde, die uns seit unserer Geburt trägt. Sie trug schon unsere Eltern, Großeltern, Urgroßeltern und und und. Die Reihe unserer Vorfahren ist lang. Alle lebten sie, soviel wir wissen hier auf diesem Planeten mit dem Namen Erde. Sie gibt uns Nahrung, Trinken, Wohnstatt, Aufgaben und eine Gemeinschaft, die dies erst alles ermöglicht. Keiner von uns könnte ohne den Anderen überleben. Ob es noch die Füße, der Viehwagen oder der LKW ist, der die Waren von A nach B bringt, damit wir arbeiten können, zu essen und zu trinken haben oder wir Kultur in fremden Orten schlürfen können. All dies ist nur möglich im wechselseitigen Miteinander.

Die Erde trägt diesen Olivenbaum seit dreihundert Jahren! Welch eine Kraft! Und, was hat dieser Baum bis heute uns alles gegeben und tut es weiterhin?

Das heißt, es lässt sich ohne weiteres sagen: Die Erde ist etwas, das für lange Zeit trägt.

Was trägt uns ein lange Zeit?

Doch, wie ist das bei uns selbst? Was ist dieses Etwas, das uns für lange Zeit trägt, ganz in uns selbst? Das, was uns morgens aufstehen lässt? Das, was uns einkaufen gehen und Essen kochen lässt? Das, was uns arbeiten lässt? Dass, was uns feiern lässt? Dass, was uns Ideen eingibt?

Welche Kraft ist dies in uns, die uns trägt durch unser Leben, ganz in uns selbst ohne den Anderen?

Zen und Biodanza
Welche Kraft lässt uns tanzen?

Es gibt den Sport, der viele Menschen trägt. Er lenkt ab. Er kräftigt den Körper und den Geist. Er lässt uns gut aussehen. Doch, ist der Sport die Kraft, die uns in allen Lebenssituationen hilft, auch wenn wir selbst einmal krank sind, sterben?

Vorgestern erzählte mir meine Physiotherapeutin, dass ihr Mann seinen ganzen Stress des Tages im Wald abläuft. Ja, sage ich, das verstehe ich. Doch erlauben sie mir die Frage, was macht ihr Mann, wenn er alt wird und nicht mehr durch den Wald laufen kann?

Genau dann trägt dieses Etwas plötzlich nicht mehr. Und wo ist dann so schnell ein neues Etwas herzuholen, wenn ich mein ganzes Leben doch Abgelaufen bin?

In unserer Zeit des Yoga, ist dies sicherlich eine Möglichkeit. Doch, auch hier heißt es, wie lange kann ich das tun, diese körperlichen Übungen? Und wir fangen ja nicht mit zwei Jahren an Yoga zu machen, so dass es uns ein Leichtes ist, dies jeden Tag bis zum Ende unseres Lebens zu tun. Da ist dann die Geburt des Kindes, der Tod der Oma, das Voranschreiten im Beruf, der Urlaub und plötzlich ist die Zeit für die Yoga-Übungen immer kleiner geworden und irgendwann waren sie plötzlich weg.

Welches Kind hat die Stunde noch in Erinnerung? Welches Kind, welcher Vater, Mutter, Oma, Opa erinnert sich an dieses Kinderbuch? Versinkt es auch in den Wirren des alltäglichen Lebens, die wir selbst erzeugen?

Was trägt für lange Zeit?

Es ist etwas, das ich Handwerkszeug nenne. Es ist Zazen, denn es erlaubt uns auch im hohen Alter einfach dort still zu sitzen und unseren Atem und unseren Geist zu beobachten. Dies geht auf einem Stuhl, einem Hocker und sogar liegend. Ob krank oder gesund. Ob jung oder alt. Ob zuhause oder in der Fremde.

Dieses Beobachten des Geistes und des Körpers, sich immer wieder erinnern einfach nur hier in diesem Augenblick zu sein, nirgends hingehen müssen, nichts tun müssen, nicht einmal denken.

Welch ein Handwerkszeug ist so universell und einfach? Und hat so ein großes Wirkungsspektrum?

Wenn wir genau darüber nachdenken, entdecken wir, dass es nur wenig solch universelles Handwerkszeug gibt. Für jedes handwerkliche Tun gibt es eine eigene Schraube, einen eigenen Schraubenzieher. Doch beim Zazen ist es egal, welche Schraube ich gerade einschraube, mein Handwerkszeug ist immer gleich. Es verändert sich nur in der Beobachtung. Die Hand greift die Teetasse jetzt mit beiden Händen und nicht mehr nur am Henkel mit einer Hand, denn in der rechten Hand hat der Daumen Arthrose und schmerzt.

Der Fuß steckt jetzt nicht mehr in sportlichen Turnschuhen, sondern es ist orthopädisches Schuhwerk, das verhindert das der Fußrücken zusammenfällt wegen Osteoporose. Wir könnten noch viele Beispiele finden.

Dieses Handwerkszeug Zazen trägt uns einfach eine wirklich lange Zeit, wenn wir dieses Handwerkszeug immer weiter benutzen. Wir vergessen diesen Augenblick und sind bereits im nächsten und verwenden das Handwerkszeug erneut. Und eh wir uns versehen ist eine lange Zeit vorübergegangen, die einfach nur werkendes Leben ist. Ein werkendes Leben, das genau uns selbst trägt und uns einfach unser Sein im Leben schenkt. Dieses Etwas, das uns eine lange Zeit trägt, ist meiner Meinung nach tatsächlich einfach Zazen tun. Es trägt mich. Es wirkt mit mir. Es hält mich fit. Es macht mich klar. Es ist reine Kraft. Es ist immer für mich da. Es verlässt mich nicht. Es ist liebevoll mit mir. Es ist frei und ungebunden, niemandem verpflichtet.

Nur hier sein. Nichts tun. Einfach jetzt und hier.

Für mich ist Zazen das größte Handwerkszeug, das es gibt, denn es macht tatsächlich frei und glücklich.

Das wünsche ich uns jetzt allen. Das Freie und das Glückliche im Zazen zum Tragen zu bringen, egal, was das Leben uns gerade vorhält.

Ganz liebe Grüße

Ellen Daoren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website ist durch reCAPTCHA geschützt und es gelten die Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen von Google

Nach oben scrollen