„Es geht weiter“

SonntagsBlog „Es geht immer“, 2. August 2026

Liebe ZenhoflerInnen,

als im Sommer Geborene liebe ich den Sommer. Wir brauchen uns nicht überlegen, wie viele Schichten wir übereinander anziehen müssen, um nicht zu frieren. Wir können einfach im T-shirt nach draußen gehen. Wunderbar. Danke dafür.

Sommerspaziergang am Rennsteig

Wasser – unser Kostbarstes

Ja, Regen ist wichtig und Wasser ist unser Grundnahrungsmittel, ohne dass wir nicht überleben könnten. Daher gehen wir vorsichtig damit um, haben Regenauffangtonnen im Garten, nutzen eine Gartenpumpe für einen Brunnen oder haben am Wasserkran einen Durchflussbegrenzer… Viele Möglichkeiten unser kostbares Gut Wasser sorgsam zu hüten.

Aber im Sommer lernen wir mit weniger auszukommen. Das Gras vertrocknet. Einige Blumen sterben, denn ihren Wasserbedarf können wir nicht decken. Die Autowäsche entfällt. Die Früchte, die im Herbst geerntet sein wollen, die sind wichtig und erhalten Wasser. Und Pflanzen, die verwurzelt sind, kommen im nächsten Jahr wieder zum Vorschein, auch wenn sie jetzt eingehen.

So vielfältig. So sich weitend, dass ein Ozean bereits große Flächen unserer Erde abdeckt.

Es geht weiter.

Nichts bleibt wie es ist. Nichts bleibt stehen. Alles kommt und alles geht. Wir, Menschen möchten gerne Situationen, Menschen, Augenblicke festhalten, an uns binden, wie der schöne Jubiläumstag, an dem so viele Menschen hier waren und einfach nur den schönen Tag genossen haben.

Am Nachmittag machte Tobias mit seinem indischen Harmonium und Marcel, Stefanie und Leon spielten Gitarre

Nichts bleibt

Doch, nichts bleibt. Alles ist in anhaltender Bewegung und ihr seht, welches Wort ich verwende. „Anhaltende Bewegung“. Es ist eigentlich sprachlich ein Widerspruch. Entweder es hält an oder es bewegt sich, oder?

Doch das „es geht weiter“ ist eine anhaltende Bewegung im Sinne nicht endend. „Es geht weiter“ ist eine Bewegung ohne Ende. Es ist eine sich einfach weiterbewegende Einheit, die weder um sich selbst weiß noch etwas will. Sie tut es einfach.

Es geht weiter

„Es geht weiter“ steht daher auch nicht einfach nur für eine Chronologie. Es steht auch wirklich für das „es geht weiter“, viel weiter, wie im Sinne von sich selbst „Weiten“. Wir können uns sagen: Jetzt bin ich so weit geöffnet und stillstehen. Doch das wirkliche Leben kennt diese Begrenzung nicht. „Es geht noch weiter“.

Eine sich selbst „weitende Welt“ öffnen und nicht wie ich es jetzt bei Toni Morrison, in Selbstachtung über James Baldwin las: „Kein Mensch stellt sich leichtfertig gegen seine Gesellschaft. Man wäre viel lieber zu Hause unter seinesgleichen, statt von seinen Mitbürgern gehasst und verlacht zu werden. Und irgendwo ist der Spott der Menschen, selbst ihr Hass, in seiner Blindheit sogar berührend: Es ist schlimm dabei zuzusehen, wie ein Menschen an ihrem eigenen Gefängnis festhalten und auf ihrer Selbstzerstörung bestehen.“

Ist ein Setsu-Stäbchen machen, eine sich selbst weitende Welt?

Eine sich selbst „weitende Welt“

Eine sich selbst „weitende Welt“ bricht die Schattenwände auf, lässt Licht durchscheinen und baut die Mauer des Gefängnisses Stück für Stück ab. Dies ist nicht leicht. Das weiß jeder von uns, der einmal wirklich eine Mauer abgebaut, eingehauen und abgetragen hat, um Raum zu schaffen für das Neue.

Das Veränderliche – das Neue

Und genau das ist das „es geht weiter“. Es ist das sich weitende Neue. Ob dies von uns als gut und schlecht betitelt wird, sei dahingestellt. Erst einmal weitet sich etwas zu etwas Neuem, Unbekannten und das geht nur, wenn wir unsere Selbstzerstörung und die Gefängnismauern um uns herum sehen. Wenn wir sehen, wissen wir, wo wir anfangen können, sie zu öffnen und uns selbst zu weiten.

Hätten wir keine Wand aufgelöst, gäbe es mein Arbeitszimmer nicht, das hier noch im ersten Geist steht. Auch hier gab es weitere Veränderungen…

Wohin? Einfach in die Veränderung. Mehr nicht und weniger auch nicht.

Die Konsequenzen der Veränderung zeigen sich. Die Folgen tragen wir. Aber wir können uns niemals vorwerfen, wir hätten das „es geht weiter“ liegen gelassen, unberührt und wären in unserem selbst aufgebauten sicheren Gefängnis sitzen geblieben und hätten damit eine Form von Selbstzerstörung vorgenommen.

Selbstzerstörung?

Ja, wir zerstören ein Selbst. Nicht einfach nur unseres, sondern das große Selbst einer jeden Situation unseres Lebens mit allem, was dazu gehört, die Familie, Krankheit, Tod, Glück, Freude, Hochzeit, Urlaub, Gesundheit, Krieg, Frieden … all das ist Augenblick für Augenblick ein eigenstes Selbst. Sind wir selbst eingesperrt, so sperren wir dieses Selbst auch in eine Kiste, in ein Gefängnis und das große Ganze, das Welt, das Universum heißt, kann sich nicht vervollkommnen und sich weiten bis es die ganze Größe umfasst.

Wir Menschen nennen dies Erleuchtungserfahrung. Wenn wir sterben, tun wir nichts Anderes. Wir gehen in die Deckungsgleichheit wie ich es in meinem Buch „Nicht-Dualität“ schreibe. Unser eigenstes sich weitendes Selbst weitet sich bis es in einem einzigen Augenblick genau dieses Ganze sich ergebende Selbst abdeckt, mit ihm identisch ist.

Wann sind wir mit dieser Bewegung anhaltend eins?

Und jetzt wisst ihr, was kommt.

Wie können wir das üben, lernen, erfahren? Ja, natürlich mit Zazen. Es ist ein Geschenk wie Marcel jetzt letztens am Telefon sagte. Ja, es ist ein Geschenk, denn durch uns alle, die wir es tun „geht es weiter“.

Danke, Euch allen.

Herzlich Ellen Daoren

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