Einfach sein

SonntagsBlog „Einfach sein“, 13.12.2025

Liebe ZenhoflerInnen,

kaum zu glauben, aber eines unserer Highlights des Vereinslebens, das Rohatsu-Sesshin ist Vergangenheit und dennoch so unglaublich nah.

In Fußballvereinen ist ein Highlight eine Regionalliga, eine Landesliga, eine Bundesliga. In anderen Sportarten ist es der Wettkampf mit anderen Städten und Bundesländern. Das erinnert mich an den Schwimmverein meines Sohnes.  Er fuhr regelmäßig zu derartigen Wettkämpfen, den Highlights des Vereins.

Zenhof Rödental e.V.

Im Zenhof hat jedes Highlight mit unserem Vereinszweck zu tun und das ist bei uns die Erhaltung und Verbreitung von der Meditation Zazen aus dem Zen-Buddhismus. Wir brauchen keinen religiösen Glauben dafür und wir brauchen auch nichts glauben. Das Einzige, was wir brauchen ist, uns selbst. Ein Sesshin und dazu noch eines, das weltweit gesessen wird, ist der Anschluss an ein großes „Welt anhalten“. Dies waren die begleitenden Worte in diesem Sesshin. Wir haben die Welt angehalten und dabei erfahren, wie viele Facetten Welt anhalten hat.

Einfach sein

Eine davon ist „einfach sein“ und zuschauen. Nichts tun. Einfach sein. Es gibt nichts zu tun, einfach nur zu sein und zu atmen. Die Welt anhalten, heißt nicht einfach nur stoppen, sondern vor allem wie in einem Spiegel die Dinge der Welt an sich selbst anhalten. Wie stehen sie zu mir? Welche Muster erscheinen? Welche Reste bleiben zurück? Wie oft hält die Welt an und wir bekommen nichts mit? Was ist Welt anhalten wirklich? Was ist ehrliches Welt anhalten?

Was ist ein Lorbeerblatt im Suppentopf?

Es ist so etwas wie sich die Frage zu stellen: Was ist ein Lorbeerblatt, das in einer Suppe schwimmt? Diese Frage ist ein Koan, ein Aufgabe, die den intellektuellen Geist herausfordert, aber dessen Antwort nicht die Welt anhält. Die Welt hält erst mit einer Antwort an, die frei von Verstand, Denken, Meinen und Vorstellen ist. Es ist eine Antwort, die sich in das Selbst des Augenblicks ergießt und keinerlei Verbindung zu etwas hat. Diese Antwort ist völlig frei und losgelöst. Sie ist einfach.

Was sehen wir, wenn wir nichts sehen?
Was hören wir, wenn wir nichts hören?
Was fühlen wir, wenn wir nichts fühlen?
Was ist das?

Einfach ein Sesshin

Eine Schweige-und Meditationswoche ist genau das, das Ausschau halten nach Antworten, die nicht einem Intellekt entspringen, sondern frei und losgelöst, Welt anhaltend, einfach plötzlich da sind. Wir wissen dann sofort, so ist es, obwohl wir es nicht wissen im herkömmlichen Sinn.

Die Spur des Spürens

Eine solche Zeit sich zu schenken, ist das Wiederentdecken der Spur des Spürens, die Welt anhalten zu können. Es ist das Wiederentdecken der Spur des Spürens, die Welt mit einer einzigen einfachen So-ist-Antwort anzuhalten. Das augenblickliche Erscheinen, ein sekundenhaftes Auftauchen und es ist plötzlich alles sehr klar. Keine emotionalen Verstrickungen, sondern einfach ehrlich sein so wie es ist. Kein Kunstobjekt. Kein Wollen. Keine Gier nach… Einfach einfach sein. Die Spur spüren mehr nicht und weniger auch nicht.

In diesem Sesshin gab es viele wundervolle Augenblicke solcher Klarheit. Manche sind schmerzhaft. Manche sind glücklich machend. Manche lösen sich so schnell wieder auf, dass wir meinen, diese Momente hätten nie existiert. Unser Körper und Geist vergisst jedoch nichts. Es ist ein Be-wahr-er, eine ehrliche Haut.

Und genau das ist das Bedeutsame an einem Sesshin. Niemand kann sich hier verstellen. Wir werden durchlässig sichtbar für uns selbst und alle. Wir sind einfach. Und genau dann in den Spiegel zu sehen und sich so zu sehen, kann bedeuten, sich selbst zu voll-enden. Sich in seiner Fülle des Anhaltens der Welt an sich selbst zu entdecken und sich zu trauen, wirklich und wahrhaftig ehrlich hinzuschauen. Manchmal kann es uns Angst machen, was wir zu sehen bekommen, unsere Gier, unseren Hass, unsere Verblendungen, unser Wollen und und und, aber es gehört zu uns wie unser Atem, der uns durch alle Augenblicke hindurchträgt. Eben einfach so.

Sogar ein Wasserkessel wird zum Spiegel des Eigenen!

Einfach ehrlich zu sich selbst sein ohne….

Ich danke allen, die dabei waren. Die sich trauten. Die nicht vor sich selbst weggelaufen sind, weil… Die einfach da waren ohne… Die einfach in den Spiegel schauten und sich ehrlich erkannten und nun beginnen es anzunehmen und zu integrieren.

Herzlichen Dank an alle Hände, die dieses Highlight mitgetragen haben. Hände, die jeden Monat regelmäßig ihren Beitrag leisten, indem sie einfach sich zusammenschieben und im Zendo sitzen. Hände, die Kuchen und Plätzchen backten, Schnittchen schmierten. Füße, die zum Zenhof gingen und sich mit auf das Kissen setzten. Schweigende Münder, die sich hier begegnen durften, einfach so.

DANKE. Einfach so DANKE.

Ellen Daoren

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