Sonntags Blog „Eine Geschichte von…“, 7. September 2025
Liebe ZenhoflerInnen,
der Sommer haucht noch während der Herbst schon die Fühler ausstreckt. Beides vermischt sich zu Anfang bis dem Herbst es so mit dem Winter ergeht. Beides geht ineinander über und Grenzen verwischen.

Grenzen verwischen!
Grenzen verwischen auch, wenn wir einander Geschichten erzählen. Da ist jemand, der zuhört und jemand, der spricht. Die Sprachen können unterschiedlich sein, aber die Gestik, Mimik, die Laute geben uns die Möglichkeit doch große Teile der Geschichte zu verstehen.
Die Musik ist ein unvergleichliches Beispiel dafür. Sie hat ihre eigene Sprache. Auch unser Körper und Geist hat seine eigene Sprache. Ein jeder, eine jede von uns spricht anders. Dass wir uns verstehen, bedeutet nicht nur die gleiche Muttersprache zu haben, sondern dazu gehört auch, dass wir einander riechen können, schmecken können, dass wir einander fühlen können. Und es gibt tatsächliche Tiere, Pflanzen und Menschen, wo wir sagen: Dieses kann ich nicht riechen. Dieses kann ich nicht fühlen…

Sprachforschung
Unsere eigene Sprache zu erforschen, beginnt jedes Mal neu, wenn wir Zazen sitzen. Wir haben keine Ahnung, welcher Gedanke in unseren Kopf schießt und uns von der konzentrierten Aufmerksamkeit ablenkt. Wir haben keine Ahnung, welcher Atemzug sich wohin setzt und wo er hingeht. Wir haben keine Ahnung, ob uns die Müdigkeit oder die Wachheit überfällt. Wir wissen nicht, was uns vielleicht sowohl körperlich als auch geistig, seelisch schmerzvoll begegnet. Wir wissen nichts. Und dennoch bemühen wir uns diese Sprache zu erlernen, denn sie ist unser Eigenstes, was wir sind.
Manfred hatte die Tage eine Eingebung und erinnert sich an ein Lied von Hermann van Veen, Kleiner Fratz. Und wie er ist, setzte er seine Suche gleich nach diesem Lied um und bestellte diese CD aus den siebziger Jahren. Es ist ein wunderschönes Lied. Hört mal rein. Kleiner Fratz.
https://www.youtube.com/watch?v=1oR-WFR0Flw&list=RD1oR-WFR0Flw&start_radio=1
Eine Geschichte von Gott
Beim Hören dieser alten CD erzählt Hermann von Veen eine Geschichte, eine Geschichte von Gott. Diese berührte mich tief. Doch, bevor ich dazu etwas erzähle, auch eine Geschichte, hört sie euch erst einmal an.Eine Geschichte von Gott.
https://www.youtube.com/watch?v=QwW5VNhIVOw
Unser eigener Tempel?
Mich hat tief berührt, dass der Tempel so düster gesehen wird, dass die Blumen, die Quelle und die Sonne fehlen. Betrachten wir unseren eigenen Körper-Geist-Seele Tempel, wie sieht es in ihm aus? Öffnen wir auch die Fenster, um uns durchzulüften. Die Welt von innen durchzupusten und mit dem ineinander die Außenwelt auszulüften? Wie lüften wir unsere Welt?
Dann wunderte mich der Schmuck des Tempels! Wie schmücken wir uns? Nehmen wir auch die alten Bilder der Vergangenheit und hängen sie immer wieder auf, so dass ihr Staub uns zu Staub macht und wir fast daran zerfallen?
Oder pflanzen wir frischen Samen, sitzen Zazen, einfach so, wir wissen nicht, wo der Samen hinfliegt, den wir hier legen. Wir wissen nicht, welche Blüten dieser Samen hervorbringt. Aber Zazen ist ein Schmuck. Ein Schmuck der Samen legt und Blüten hervorbringt. Vor allem die Blüte, die die eigene innere Quelle wieder zum Fließen bringt. Nicht trübe, sondern immer klarer werdendes, reinstes Wasser.

Die Sonne
Und dies geht nicht ohne, dass eine Sonne scheint. Blüten können nur erscheinen, wenn die Sonne da ist. Lassen wir sie zu oder verstecken wir uns in diesen dunklen Bildern eines Tempels, der nicht unser wirklicher Tempel ist, sondern nur ein Tempel, der so ist, wie es gewünscht wird von…, der von uns aus Sicherheit aufgebaute Gefängnis-Tempel?
Den eigenen Tempel zum Blühen bringen!
Zazen gibt uns immer wieder neu die Möglichkeit unseren eigenen Tempel zu schmücken, ihn zu gestalten, ihn zum Blühen zu bringen. Warum sollten wir darauf verzichten? Warum sollten wir auf unsere eigene Lebens-Geschichte verzichten? Die Geschichte von uns selbst?
Unsere eigene Geschichte!
Ein jeder Mensch, ein jedes Tier, eine jede Pflanze, ein jedes Ding ist seine eigene Geschichte, die Geschichte seines Selbst. Je mehr wir uns trauen, unsere Geschichte lebendig auferstehen zu lassen, je mehr trauen sich im Ineinander und Miteinander einer Grenzenlosigkeit alle Dinge sich selbst zu leben. Hier geht es nicht um Egozentrismus oder Narzissmus.
Hier geht es um ein Selbst, nicht um ein Ich. Dieses Selbst, das wir im Laufe unseres „normalen“ Lebens so weit von uns weisen, wird neu erfahrbar in der Praxis des Zazen. Dieses Selbst ist frei und unabhängig. Es zeigt sich, wenn Tränen ohne Grund fließen, wenn ein Lachen ohne Grund erscheint, wenn der Körper in den Fluss springt um den Hund zu retten ohne über Gefahren nachzudenken, wenn wir in einem Buch über einen Satz stolpern, der uns nachdenklich macht, wenn wir uns einfach ins Gras legen und vergessen, wo wir sind. Diese Liste ist unglaublich lang und doch für einen jeden von uns individuell lang. Wann haben wir unser Selbst in dieser oder jener Form zuletzt erlebt?

Die Welt verändern
All diese Entdeckungen unseres wirklichen eigenen Selbst sind Geschichten. Geschichten, die die Welt verändern, unsere Welt. Und genau deshalb reiche ich Zazen so gerne weiter, denn es verändert die Welt. Nicht irgendeine, sondern Deine und somit meine und und und…
Lasst uns daher einfach weiter gemeinsam miteinander das Ineinander unserer eigenen KörperGeistung erforschen, denn es führt zu blühenden Blumen, sprudelnden Quellen und Sonnenschein wie Hermann van Veen es so schön erzählt. Und dann bleibt nur noch zu sagen, wenn ihr auf dem Kissen sitzt: Hallo, Kollege. Hallo, Kumpel. Hallo, mein Freund. Hallo, meine Liebe.
Einen schönen Sonntag und einen guten Start in die Woche.
Ellen Daoren
Liebe Ellen,
was für ein wertvoller Impuls für meinen Alltag. Die Geschichte finde ich soooo großartig 🙏🏻. Den Liedermacher kannte ich von Schallplatten meiner großen Brüder. Mit über 30 Jahren Abstand berühren mich manche seiner Lieder auf einer ganz anderen Ebene, einfach toll. Ohne deinen Blog wäre ich jetzt nicht wieder auf ihn gekommen. Ja, ich erforsche weiter …
Ganz herzliche Grüße, Andreas. 🙏🏻☺️