Ein Fest feiern

SonntagsBlog „Ein Fest feiern“, 3. August 2025

Liebe ZenhoflerInnen,

der letzte Sommermonat hat begonnen und zeigt sich nicht von der schönsten Seite. Doch manchmal bekommen wir einen schönen Herbst geschenkt, der das Sommerende verschönert und mit reicher Ernte bereichert. Das wünsche ich uns. Und so wie Rainer Maria Rilke sagt: Schenke uns noch ein paar südlichere Tage, auf, dass der Wein reife.

Wir feierten gestern unser Sommerfest noch einmal bei der Künstlerin Uta Schwarz in Siegmundsburg am Rennsteig. Zu einem guten Fest gehört ein gutes Essen, Spiel, Spaß, Tanz und Gesang. Mit Menschen in einen Reigen eintreten. Irgendwie ergab sich, dass wir dies alles hatten. Der Wetterfrosch war uns dieses Jahr gewogen. Einige von uns saßen im Gras. Es wurde draußen musiziert. Wir tanzten. Und das mitgebrachte Essen war hervorragend. Leckere Brotaufstriche, Salate, Linseneintopf und Mohnkuchen bereicherten unsere Mägen mit dem lecker gekochten Tee und Kaffee von Uta.

Die SpaziergängerInnen

Ein Fest geht zu Ende

Ein Fest geht zu Ende. Was bleibt? Ingeburg, unser ältestes Vereinsmitglied sagte gestern: Die Erinnerung bleibt. Was ist –sich erinnern-? Ist dies ein Zaubermittel für schwierige Zeiten? Ist dies ein Lehrmittel für Weisheit? Ist dies ein Geheimnis unseres Körpers und Geistes, der uns so etwas Neues erzählen kann, denn wir wissen ja heute, dass jede Erinnerung vom Jetzt gefärbt ist?

Unsere Bleibe

Was bleibt? Was ist unsere Bleibe? Was feiert die Bleibe für ein Fest? Was erinnert die Bleibe? Für mich ist meine Bleibe, mein Körper und Geist. Sie sind immer da. Sie sind niemals fort und selbst, wenn ich sterbe, sind sie bei mir. Alles fällt weg, doch diese beiden begleiten uns immerfort. Was für ein kunstvolles vollständiges Gebilde! Feiert diese Bleibe mit uns ein Fest oder wir mit ihr? Was bedeutet ein Fest feiern für diese Bleibe? Gehört dazu auch Musik, Tanz, ein gutes Essen und Menschen und Dinge, die sich dieser Bleibe anschließen?

Das Fest mit Namen Sesshin

Das größte Fest, was diese Bleibe kennt, ist meiner Ansicht nach ein Sesshin, eine wahre Auszeit. Sieben Tage.  Oder auch zehn Tage, ein Monat, ein Jahr (Lamas und Roshis) allein ohne Lesen, Fernsehen, Handy auf einem Berg, in die Einsamkeit gehen. Die ganzen Vorbereitungen dafür zu treffen, ist den Mut zu haben, es zu tun. Ein Essen für diese Tage zu planen, ist den Schmerz hinnehmen, dass diese Bleibe richtig arbeiten muss, um überhaupt in die festliche Stimmung einer echten Aus-Zeit zu kommen. Wir müssen uns anstrengen, um auf den Berg zu gehen, anstrengen, die Lebensmittel (die Seele zu öffnen) zu besorgen und dorthin zu tragen, die Meditation in der Einsamkeit hinnehmen, keinen Menschen zum Sprechen, jede Emotion, jedes Gefühl, jede Stimmung mit und in und durch diese Bleibe selber hindurchtragen. Ein Fest feiern bedeutet Arbeit. Bei unserem Sommerfest verteilten wir die Arbeit auf viele Hände und Rücken.

Auch die Handwerker gehören zum Gelingen des Festes dazu!

Allein

Doch, wenn wir unser eigenes ganz intimes Fest feiern wollen, müssen wir alles allein tragen. Da ist niemand mehr, der hilft. Wir sind mit unserer Bleibe all-ein. Und trauen wir uns dies zu, vertrauen uns unserer eigenen Bleibe an, wie im Augenblick unseres Sterbens, dann feiern wir plötzlich ein Fest. Plötzlich fallen diese Worte „für etwas“, für … weg. Wir sind einfach nur froh, zufrieden, ja, sogar glücklich. Das Fest ist auf dem Höhepunkt angekommen. Wir freuen uns einfach wie kleine Kinder. Und doch endet auch hier das Fest. Wir kehren zurück zu dem Ort des alltäglichen Lebens. Das Feiern endet. Der Festtagskreis schließt sich. Doch, was bleibt? Was bleibt in dieser unserer Bleibe zurück?

Das Fest endet wie der Schnitt einer Hand beim Gips durchtrennen. Vorbei. Nie wieder so.

Der Augenblick

Es ist ein Moment des lebendigen Lebens, ein Ein-Druck, der diese Bleibe niemals mehr verlässt. Wir können in den schwierigsten Situationen unseres Lebens dorthin zurückkehren, denn unsere Bleibe ist ein Ort des Er-Inner-ns. Wir sind sowohl im Innern wie im Außen, stets gleichzeitig. Auch wenn unser Blick in der Regel beim Außen bleibt, so können wir das Fest des eigenen Erlebens aus unserem Inneren hervorholen und dieses Außen unter diesem Blick betrachten. Und dann erscheint das Schwierigste, das Problembehafteste, das Schmerzhafteste, das Leidvollste plötzlich nicht mehr so schlimm, denn wir kehren zurück zu unserer festlichen Bleibe, dem Ort, der alles kennt und dem wir einfach nur vertrauen können und dürfen.

Dem Vertrauen, dass der Körper und der Geist immer am richtigen Ort sind!

Das wünsche ich uns allen. Lasst uns gemeinsam der Bleibe vertrauen und vielleicht das nächste Fest in Form eines Sesshin gemeinsam feiern.

Alles Liebe und Gassho

Ellen Daoren

Ein Kommentar

  1. Der Augenblick, der Augenblick der Freude diese Zeilen zu lesen und bekannte Gesichter zu sehen und der Augenblick später der tiefen Trauer nach einem Anruf. Seid gedrückt. 👋

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