Der stille Platz

SonntagsBlog „Der stille Platz“, 29. September 2025, der ein Montag ist!

Liebe ZenhoflerInnen,

Urlaubszeit ist auch persönliche Reifezeit. Meistens sehen wir diesen Aspekt nicht, doch er ist tatsächlich sehr nah. Wir sehen Dinge, die wir noch nie gesehen haben, hören sprachliche Laute in unseren Ohren, die fremd sind. Wir spüren salziges Meerwasser auf unserer Haut und nicht das Duschwasser daheim. Wir empfinden Hitze mit Schwitzen und kalten Getränken. Wir erklimmen Berge, deren Aussicht uns träumen lässt oder einen Sternenhimmel, der uns so noch nie auffiel.

Mutter Maria in einer Felsenkirche in Morella

Gewitter

Manfred und ich erleben gerade eine Gewitterfront. Wir haben beide so etwas noch nicht erlebt. Wirklich die ganze Nacht und der heutige Tag bis jetzt, entlädt sich ein Gewitter nach dem Anderen. Blitze zucken durch das Grau des Tages. Donnergrollen rollt von den Bergen herab und rollt vom Meer aufs Land. Die ehemals friedlich daherkommenden Wellen des Meeres türmen sich zu Bergen auf bevor sie an den Steinen des Landes zerschellen. Aufbruch-Stimmung. Höchste Stufen von Beweglichkeit. Natur in seiner ganzen Größe. Und dennoch und das ist das Verwunderliche tritt überall diese kleine feine Stille auf. Plötzlich findet sich der Mensch vor einem Kaffee sitzend wieder, ohne irgendwohin zu wollen. Plötzlich scheint die Welt in eine Stille zu versinken, die sich mitten in diesen gewaltigen Entladungen zeigt.

Jetzt die friedliche Stille und dann die tosende Stille – wie im wirklichen Leben!

Ein stiller Platz

Ein stiller Platz mitten im größten Tumult des Lebens. Die Natur besitzt diese Eigenschaft offensichtlich. Und wenn wir wirklich hinschauen, können wir sie tatsächlich sehen. Wie ist das in unserem tumulthaften lauten Alltag, der uns hin und herschleudert, wie die Blitze? Wie ist der stille Platz gebaut, auf dem wir uns immer zurückziehen können?

Ihr wisst, meine Antwort, ist dieser stiller Platz im Zazen. Zazen ist der stille Platz, denn egal, wie aufgewühlt wir sind, egal, welche Herausforderungen das Leben uns gerade stellt, egal, wie wir uns fühlen oder was wir empfinden und in welchen Katastrophen wir uns befinden, Zazen bleibt dieser stille Platz, der die Ruhe kennt und den Frieden.

Der stille Platz!

Das JA jetzt und jetzt und jetzt

Wir brauchen nur eine Absicht, eine winzig kleine Entscheidung eines JA, dann zeigt dieser stille Platz seine Kraft für uns. Er nimmt jeden auf seine Weise mit. Er empfängt jeden, ohne zu fragen, woher er kommt und wohin er geht. Dieser stille Platz bleibt dir treu ergeben, ohne dich belehren zu wollen. Er ist immer für dich da und kann zur Heimat in dir selbst werden, wenn wir ihm erlauben, dies zu tun. Ganz langsam im immer wieder erneuten Berühren des stillen Platzes wächst eine kleine Blume in uns. Diese Blume beginnt unter der Obhut des stillen Platzes zu wachsen. Der stille Platz verfügt über jedes Lebens-Mitte-l. Dieser Platz bringt diese kleine zierliche Blüte zum blühen und trägt sie hinüber in das ganz zarte Gleichgewicht.

Ein ganz zartes Gleichgewicht

Zazen ist eine Blütenform

Zazen ist eine Blütenform, die Blüten küsst und zum Vorschein bringt. Nicht irgendwelche, sondern genau die Unseren. Eine jede auf seine Weise. Das Vertrauen, das sich trauen, Zazen als stillen Platz zu empfangen, ist etwas, dass wir uns zu-mut-en können. Tun wir es, so sagen alle Weisheitsbücher der Welt, empfangen wir den stillen Platz in uns selbst und mit diesem betreten wir die Welt, unsere Welt, unseren Arbeitsalltag, unsere Beziehungen, unsere Familien, unsere Freunde, unsere Stadt, unser Leben. Auf diese Weise teilen wir, ohne großes Aufhebens diesen stillen Platz. Ganz leise bleibt der stille Platz in der Welt, der in der eiligen schnellen lauten Welt, schnell verloren geht. Doch, die Menschen, die sich trauen, vertrauen und sich diesem stillen Platz anvertrauen, tragen ihn leise, aber beständig in den Lärm der Zeit.

Eine Reife, die vielleicht einmal so aussieht. Stark. Frei. Allen Wirren trotzend über Jahre. Und dennoch Früchte tragen, die die Welt bezaubern und nähren!

Reife

Und das wird Reifen genannt. Nicht Reife im Sinne von Wissen, sondern gereift vom leisen stillen Platz aus. Gereift an Herz, Seele und tatsächlich auch Verstand. Und das ist der stille Platz, der zur wunderschönsten Blüte in uns selbst reifen kann.

Ich freue mich daher mit euch weiterhin diesen stillen Platz zu erfahren, mit ihm vertraut zu sein und ihn still und leise zu teilen und unser aller Blüten wachsen zu sehen.

Herzlichen Dank.

Ellen Daoren.

3 Kommentare

  1. sehen aus wie alte Olivenbäume?
    Wie schwer es mir zurzeit fällt mich einfach hinzusetzen,
    wenn der Affe im Kopf poltert und laut ist.
    Danke Ellen, das gibt den Mut sich weiterhin aufrichtig in die
    Stille zu begeben.

    Gassho
    Marcel

  2. Liebe Ellen,
    beim Lesen dieser Zeilen konnte ich die verschiedenen beschriebenen Stimmungen spüren. Die Kraft und Zartheit der Natur, die Stille des Platzes und die Stille in mir. Deine Zeilen geben mir Mut und Trost zugleich. Einfach wunderbar. In tiefer Dankbarkeit und mit großer Vorfreude auf ein Wiedersehen im Oktober, Andreas. 🙏🏻☺️

  3. Liebe Ellen,
    wie berührend und so schön.
    Eine große Schönheit liegt darin!
    Ein tiefes DANKE erneut, für diese ans Herz gehenden Zeilen.
    Auf das Kommende ….. 🤗

    In Gassho
    Marco 🙏

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